Formen der Huldigung

Sascha Büttner im Kunstverein

Nachdem Sascha Büttner in den letzten Jahren gleich drei renommierte Kunstpreise für sich verbuchen konnte, beteiligte sich nun auch der Kunstverein an dem Hype um den Wiesbadener Künstler. Dieser nutzt die Retrospektive, indem er gegen die Festlegung auf das Image eines Provokateurs arbeitet und auch Installationen zeigt. Was bleibt, ist der mitunter recht spekulative Rekurs auf Popkultur.

Bekannt ist Sascha Büttner für seine Fotoarbeiten: Die 1024 Polaroids umfassende Serie von ein und demselben (nackten, männlichen) Oberkörper vor ein und demselben Hintergrund ist die Arbeit, die man zuerst mit seinem Namen verbindet.
Die Form, in der Sascha Büttner mit dem ausgewählten Fotomaterial umgeht, verrät keinerlei emotionales Involvement. Sein Zugriff auf das Medium Polaroid ist distanziert-analytisch.
Die bisherige Rezeption der Arbeiten Sascha Büttners führte zu verschiedenen Verortungen. Seine Position wurde nicht nur in verschiedenen Gruppenausstellungen gezeigt, sondern auch in die Koordinaten des musealen Kontextes eingetragen. Während diese Würdigungen für seinen Status als "anerkannter Künstler" sprechen, wird Sascha Büttner vom DAAD hingegen noch als förderungswürdiger Nachwuchs begriffen. Im vergangenen Jahr trat Büttner ein einjähriges Stipendium an. Zu dessen Abschluß präsentiert nun der Kunstverein eine Übersichtsausstellung der Arbeiten von Sascha Büttner aus den Jahren 1990 bis 1998. Zur Ausstellung erschien ein - von Marcus Bohl aufwendig designter - Katalog, der dem Werk offensichtlich eine Benutzeroberfläche mit einer Komplexität verheißenden quasi dekonstruktiven Gestaltung verleihen sollte.
Es ist sicherlich richtig, daß der Kunstverein durch die Ausstellung am gegenwärtig zu beobachtenden Hype um Sascha Büttner partizipiert und - wie die zahlreichen Ausstellungsbesprechungen in den Feuilletons belegen - davon profitiert. Doch distanziert sich die Ausstellung durch ihre Konzeption deutlich von einer undifferenzierten Aufwertung: Statt das Werk von Sascha Büttner allein im Licht der bekannten Fotoarbeiten zu zeigen, wurden die "Männerakte" bewußt zugunsten von unbekannteren Arbeiten ausgespart. Auch auf eine Festschreibung auf das Medium Fotografie wurde verzichtet - es überwiegen Rauminstallationen. Die Präsentation ist zudem denkbar einfach gehalten: In sieben Räumen werden sieben Arbeiten gezeigt. Eine sehr konzentrierte Ausstellungssituation, die ein "close reading" der einzelnen Arbeiten erlaubt.

Gesine Hombach

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