"Atelier Bratwurst"
Künstlergruppen

 

Ein offizielles Datum der Auflösung des "Atelier Bratwurst" gibt es nicht. Dafür stehen der Gründungsort und das Gründungsdatum dieser Gruppe fest: Am Schlachthof Wiesbaden wurde am 22. November 1994 von Sascha Büttner, Marcus Bohl, Thorsten Fink, Benny Klement und Bernhard Reuß das "Atelier Bratwurst" gegründet.
In einer Chronologie wurde der Grund für diese Benennung ausgeführt: "Das Organisatorische, die Arbeit an den Produktionsbedingungen, war inzwischen als Teil künstlerischer Tätigkeit überhaupt identifiziert. 'Atelier Bratwurst' war der Name dafür." Mit diesem Gründungsakt war eine zweijährige Arbeitsphase auf den Begriff gebracht. "Das Atelier Bratwurst versteht sich hierbei als Produktionsbüro und ist ein Apparat, der zur Verfügung gestellt werden kann. 'Atelier Bratwurst' soll ermöglichen, daß eine Arbeit an einer vom Künstler ausgewählten Stelle entwickelt werden kann."
Mit der Ausstellung "1. Zeigung" begann im Jahre 1995 die eigentliche Arbeit des "Atelier Bratwurst". Unter dem Begriff "Situation" wurden spezifische Ausstellungsformen zusammengefaßt. Ausstellungsorte waren aufgegebene Wohnhäuser, Fabrikhallen, aber auch Bushaltestellen. Die Arbeit vor Ort, in der "Situation", stand in einem direkten Gegensatz zu der Arbeit im Atelier, das zur gleichen Zeit die Wiederentdeckung der Malerei betrieb. Zweites entscheidendes Element der Arbeitsweise von "Atelier Bratwurst" war die Selbstthematisierung der Produktionsformen und -bedingungen. Stand in einem ersten Zyklus das Kunstwerk selbst im Mittelpunkt ("Niemand kann sagen, wo hier die Kunst anfängt und wo das Leben"), indem es scheinbar in der Situation aufging, sah die zweite Phase eine Hinwendung zur organisatorischen Ebene. Beispielhaft war das Ausstellungsprojekt "48 Stunden" im Jahre 1995. Mit der Novemberausstellung 1997 wurde das realzeitliche Moment in einen Komplex von Aktion, Ausstellung, Performance und Entertainment überführt. Im Jahre 1998 sah man die Dokumentation der Arbeit des "Atelier Bratwurst" in einem Katalog vor.
Für die künstlerischen Ansätze des "Atelier Bratwurst" sollte sich erst Ende der neunziger Jahre eine kunstinteressierte Öffentlichkeit engagieren. Es zeigte sich, daß die künstlerischen Ansätze vom "Atelier Bratwurst" Entwicklungen vorweggenommen hatte.
Wolf Thomason

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