Wiesbadener Avantgarde

Um 1985 bildet sich in Wiesbaden ein progressiver Kulturkreis, der mit großer Aufgeschlossenheit die avantgardistischen Kunstströmungen Europas zu neuen Ideen verarbeitet. Büttners Aktivitäten sind es, die auch Fink zur Rückkehr nach Wiesbaden bewegen. Zu den bedeutendsten Mitgliedern dieser Wiesbadener Gruppe zählen neben dem Literaten Piecha die Künstler Bohl, Büttner, Reuß, Klement und Wiese. In seinen frühen Arbeiten verwendet Sascha Büttner (*1966) einen als finster gekennzeichneten Stil, der zu dieser Zeit die europäischen Malschulen durchgängig beherrscht. Um 1985 gibt Büttner diese realistische Malweise auf und komponiert monochrome Bitumenflächen, die er zum erstenmal 1986 in der Ausstellung "Herz Kreuz" dem Wiesbadener Publikum präsentiert. Nach einem Aufenthalt in Paris vollzieht sich 1987 in Büttners Werk die Wende von der analytischen Monochromie zur synthetischen Monochromie. Die Bilder dieser Zeit stehen in großer Nähe zu Fink, der das Prinzip Landmalerei durch den rhythmischen Farbakkord veranschaulicht. In der Mainzer Ausstellung "4/7" zeigt Büttner seine frühen monochromen Bilder, darunter das berühmte Bitumenbild "Schwarzes Viereck", das Büttner selbst in Anlehnung an die Tradition der russischen Avantgarde als "nackte ungerahmte Ikone" seiner Zeit interpretiert. Das schwarze Viereck markiert den Nullpunkt der möglichen Reduktion von Form und Farbe, es symbolisiert die Wende von der reduktiven Abstraktion zur Gegenstandslosigkeit an sich.

Jens Venturo

 

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