Sicher, verändern wir die Bilderwelten, verändern wir die Speicher und den Zugriff auf sie, dann verändern wir das Leben. Der Künstler von heute ist nicht Maler oder Fotograf oder Bildhauer, das sind veraltete Begriffe aus einer Zeit, da die Künstler von den Höfen in die freie Marktwirtschaft entlassen wurden. Als Bohemiens oder als Malerfürsten dienten sie sich dem Kapital als Leibeigene und Erfüllungsgehilfen an. Der Künstler von heute hört auf damit, bunte Bilder für den Kapitalismus zu erzeugen, Spektakel zur Belustigung und Ablenkung der Leute zu veranstalten. Der Künstler von heute greift an und weiß, daß er somit gefährdet ist in seiner Existenz. Denn, er greift nicht den Kunstdiskurs an, denn das wäre, dem Kapitalismus und der bürgerlichen Ideologie auf den Leim gehen. Diesen läßt er rechts liegen. Der Künstler von heute stellt sich auf die Seite der Entrechteten und Verletzten. Von dort aus kämpft er gegen oben.
Wir wissen, daß die Staffelmalerei tot ist. Wir wissen, daß das Tafelbild schon lange sein Ende gefeiert hat. Wir wissen, daß die Fotografie eine große Lüge ist. Wir wissen, daß die bürgerliche Kunst, der Markt und seine Institutionen die Künstler im Würgegriff hat. Wir wissen aber auch, daß die Künstler sich in diesem Würgegriff eingerichtet haben, ja, daß sie darum betteln, noch fester gewürgt zu werden. Anstatt miteinander zu agieren hat das große Treten angefangen: Wer bekommt vom kleiner werdenden Kuchen das Meiste ab.
Die Diskussion Computer vs. Fotografie ist eine aufgesetzte. Es ist völlig egal, wie das Bild entsteht, ob durch Chemie oder durch Elektronik. Beide Prozesse sind anfällig für Manipulationen jedweder Art. Fälschungen hüben wie drüben.
Fotografie: Fenster zur Wirklichkeit? Bild, welches sich vor die Realität schiebt, oder Bild, welches Realität willkürlich abbildet?
Die "Kunstdiskurse" müssen wieder politisiert werden. Kunst, Politik und Gesellschaft müssen wieder miteinander verbunden und in ein revolutionäres Projekt eingebettet werden.
Es ist völlig egal, ob die Staffelmalerei tot ist oder ob das Tafelbild noch existiert. Sich auf diese Kunstdiskurse einlassen, heißt, dem Kunstmarkt und seinen regulierenden Mechanismen auf den Leim zu gehen.
Wichtige Fragen: Wie wirkt Fotografie? Die Produktion von Unbewußtem? Foucault, Sontag, Flusser, Busch!
In dem Buch "Minimal Art" der Fundus Reihe stoße ich auf den Begriff "klastisch". Klastisch, Adj. [griech. klastos (ab)gebrochen, von klan (ab)brechen] 1. zerlegbar, eine interne Struktur aufweisend; 2. aus den Trümmern anderer Gesteine stammend.
Das ist die treffende Umschreibung der Arbeit "Der Natur ihr Geheimnis entlocken - Dualismus" von 1996. Habe ich nicht einen Holzstamm mit Keilen und Hammer in zwei Teile zerlegt, um die innere Struktur, das Verborgene, aufzuzeigen? Diese Holzarbeiten werden künftig als "klastische arbeiten" deklariert. Dabei gehe ich wie folgt vor: In Anwesenheit eines Fotografen (Marcus Bohl) werde ich einen ausgesuchten Holzstamm mit Metallkeilen spalten. Die Keile werden mit Hämmern und Äxten in den Stamm getrieben. Dabei werde ich mich an strukturellen Vorgaben, die das Holz hat, orientieren. Nach dem Spalten werden die Teile mit Leinöl imprägniert und veredelt. Dann erst werden die Teile einer Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Holzarbeiten sollen fester Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit werden.
Das wichtigste Charakteristikum der Skulptur ist, einfach da zu sein!
Die Bitumenschmelze 1 im Juni oder Juli im Laboratorium zeigen und dann fest vor dem Atelier Bratwurst aufstellen.
Das Bild stellt sich zwischen uns und die Welt. Es deutet immer auch auf die Welt da draußen. Ordnendes Moment der Malerei ist der Keilrahmen. Er bildet das Fenster zur Welt. Bespannt mit Leinwand gibt er den "Farben" des Künstlers Halt. Die Leinwand, die sich so vor die Welt schiebt, mutiert zum Ausblick auf die Welt.
Ich gewähre drei minimalisierte bzw. stark abstrahierte Sichten bzw. Aussichten auf die Welt. Zum einen meine monochromen Bilder. Stellvertretend für das Allumfassende der bürgerlichen Gesellschaft. Zum anderen meine "Streifenbilder". Sie gehen eine Stufe weiter. In ihnen wird die Aufsplittung der Gesellschaft in Form von Parallelen zum Thema. Zuletzt die Personenbilder. Personen überlagert von Parallelen.
Parallelen. Synonym für System. Parallelen sind Geraden, die sich nie/in der Unendlichkeit treffen.
Ordnungen. Es begann damit, daß ich Dreck, vermengt mit Pigment und Öl auf eine Leinwand schleuderte. Später nahm ich Topferde. Oder Sand. Auch schleuderte ich nicht mehr, ich spachtelte die Masse auf die Leinwände. Ein andermal nahm ich funiertes Sperrholz als Farbträger. 1996 spachtelte ich mit einer Spachtel und reiner Ölfarbe drei Parallelen auf eine Leinwand. Im gleichen Jahr spaltete ich einen Hackklotz in genau zwei Teile. Tags zuvor blätterte ich schnell ein Buch über die Mafia durch und entdeckte verschiedene Diagramme. Die Schaltschemata habe ich aus einem Buch, das 1986 verlegt wurde. In der Schule kritzelte ich mit Eddings wirre Linienmuster an die Innenseiten der Klotüren. Im Frühjahr dann malte ich viele Parallelen auf ein Blatt Papier. Danach malte ich monochrome Bilder. Hin und wieder fotografiere ich. 1997 schmolz ich Bitumen direkt auf einer Herdplatte. Gestern warf ich einiges in die Luft und ließ es ungestört zu Boden kommen.
Fotografie unter dem Gesichtspunkt des "Ordnens". Die Welt "da draußen" mit dem Fotoapparat ordnen zu überschaubaren Bilderwelten, die auf "das da draußen" hinweisen. Einordnen, kategorisieren, zuordnen.
Malerei. Ordnendes Prinzip ist die Malfläche. Der Malgrund (Leinwand) wird durch die vier Kanten begrenzt und bestimmt. So wird alles auf der Malfläche durch die Kanten "geordnet".
Parallelen stehen für Ordnungssysteme der reinsten Form.
Von der Linie zur Fläche (Monochromie).
Gesellschaftsordnung.

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