Sascha Büttner:
"Den Blick auf den Körper liebe ich wie überhaupt Aussichten"
Ein Gespräch von Heinz Neusser

Heinz Neusser: Wie kamst du überhaupt zur Fotografie?

Sascha Büttner: Ich bin schon mit 15 Jahren so herumgelaufen, um zu fotografieren, und drehte Super 8-Körperfilme, in dem ich bestimmte Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln abtastete und Kamerafahrten machte. Das ist in der Fotografie nicht möglich.

Gab es für dich einen Bilderzwang?

Ja, irgendwann gab es den Drang dazu.

Was hast du in deiner Jugend fotografiert?

Ach, was weiß ich: Mösen, Schwänze, eben alles, was ich toll fand, darunter auch Titten. Was ich da aufnahm, unterschied sich nicht groß von der Wahrnehmung anderer.

Als was verstehst du dich? Als Seher? Als Archäologe oder als jemand, der Körper untersucht?

Mehr als Bilderfinder, so merkwürdig sich das auch anhört. Was ich anvisiere, steht in keinem archäologischen Zusammenhang.

Was reizt dich überhaupt an Bildern?

Bestimmt nicht das Ästhetische.

Stellst du dir beim Fotografieren Fragen?

Ja. Mir ist das an einer in Santa Barbara fotografierten Arbeit aufgefallen. Da fotografierte ich die Mission im starken Abendlicht. Das hat mich so erfaßt, daß ich es aufnahm. Es funktioniert sogar so in der eben umrissenen Balance, daß ich mich hinterher fragte, wieso es gerade mit dem Bild gelingt, dessen Motiv lokalisierbar ist?

Hat Fotografieren mehr mit Aus- und Weglassung zu tun?

Ja. So habe ich viel fotografiert.

Interessieren dich Zwischenräume?

Ja, ich vermute da eher als anderswo Arbeitsmöglichkeiten. Zudem mag ich es, hinter die Kulissen zu schauen, indem ich Seiten- und Umwege in Kauf nehme.

Liegen dir andere Fotografen wie August Sander am Herzen?

Nein. Zwar schätze ich deren Arbeit, aber nicht in bezug auf meine eigene. Vieles von August Sander mag ich, und mir gefällt auch seine Darstellung der Geschichte der Menschen zu seiner Zeit. Das ist zwar ein Epochenwerk und Meilenstein, aber für mich irrelevant.

Welche Filmemacher beeindrucken dich?

Der frühe Wim Wenders und vor allem Bruce Saunder.

Wann wird Fotografie zur Kunst?

Wahrscheinlich, sobald jemand behauptet, das sei Kunst. Aber für mich wird Fotografie zur Kunst, wenn es über die Repräsentation eines Motivs hinausgeht.

Spielen Theoretiker der Fotografie für dich eine Rolle?

Ja. ich lese auch.

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