Bernd Daniel - Sascha Büttner ist Künstler und stellt regelmäßig aus. Gleichzeitig ist er Kurator und mitverantwortlich für Ausstellungen, Programmierung und Produktion. Darüber hinaus hat er als freier Ausstellungsmacher Projekte wie das "Octopusweb" realisiert. Zur Zeit lädt er in den "Wiesbadener Raum" in der Galerie "Walpodenstr. 21" in Mainz ein.

"Wiesbadener Raum"

Ein Gespräch mit Bernd Daniel

 

Bernd Daniel: Du bist auf verschiedenen Gebieten gleichzeitig tätig, bist Künstler und - was weniger bekannt ist - ein Sammler unter anderem von Geräuschen. Sind diese verschiedenen Aktivitäten unabhängig voneinander?

Sascha Büttner: Ich glaube, daß viele Menschen vielfältige Interessen haben und verschiedenen Aktivitäten nachgehen. Was mich interessiert ist, zwischen diesen Gebieten Fäden zu ziehen - vielleicht auch mit dem Wunsch nach einem umfassenderen Ich. Beispielsweise habe ich große Mühe, zwischen meinen verschiedenen Interessensgebieten klar zu trennen und zu sagen, jetzt mache ich Ferien, jetzt arbeite ich, jetzt sammle ich, jetzt fotografiere ich. Mein Weg ist geprägt vom Disparaten und mir kommt dieser Satz in den Sinn, der sagt, daß man nie auf zwei Bühnen gleichzeitig tanzen soll. Mir scheint, daß ich immer auf mehreren Bühnen gleichzeitig tanze.

Es gibt da Obsessionen, die sich zu gewissen Zeitpunkten einmischen. Wenn ich das also mit meinem durchaus auch naiven Sehnen nach einer perfekten Welt ohne Konflikte parallel setze, merke ich, daß dieselbe Fragestellung in veränderter Form bei meinen Arbeiten auftaucht, beispielsweise bei der Organisierung von Gruppenausstellungen. Oder auch, auf einer anderen Ebene, während der Arbeit für die Homepage des Projektes "Octopusweb", wo Text, Bild, Design und Kunst ohne Hierarchie gleichberechtigt sind.

BD: Du bist nicht der einzige, der als Kurator, Künstler, Kritiker und Sammler polyvalent arbeitet. Andere wie Peter Weibel, Chris Dercon oder der Galerist und Künstler Rüdiger Schöttle gehen ähnlich vor. Siehst Du Dich ihnen verwandt?

SB: Was mich eigentlich interessiert, ist die Zusammenarbeit. Gemeinsam mit anderen Künstlern etwas zu erarbeiten. Dabei geht es gerade auch um die Frage nach dem Machtgefüge, nach Funktionieren einer Zusammenarbeit. Das hindert mich nicht daran, plötzlich mit Kogler, Mullican und Bayrle gemeinsam ein Projekt zu entwickeln, weil mich ein bestimmtes Problem beschäftigt und mich die Meinung dieser Künstler interessiert.

BD: Welchen Stellenwert haben Deine verschiedenen Aktivitäten? Ist Dir die eine wichtiger als die andere?

SB: Natürlich setze ich dauernd Schwerpunkte, aber immer wechselnd. Es hängt vom Moment und den Möglichkeiten ab. So gilt zur Zeit der Ausstellung in Mainz meine größte Aufmerksamkeit.

BD: Für Dich ist also Deine Arbeit als Künstler nicht wichtiger als die des Kurators oder Sammlers?

SB: Meine Präferenz hängt vom Kontext ab, vom Ort der Ausstellung, vom Thema, von den Leuten. Natürlich verfolge ich das Ideal der Vollständigkeit und versuche, alles unter einen Hut zu bringen, obschon dies nie gelingen wird. Letztlich spiele ich mit diesem Hin und Her, mit dem Ideal von Vollständigkeit und diesem Wunsch nach Verzettelung.

BD: Ein großer Teil nicht nur Deiner künstlerischen Arbeit dreht sich um die Frage der Identität. Wie bist Du in Mainz vorgegangen?

SB: Mainz steht in Verbindung mit der Ausstellung "Wiesbadener Raum" 1999 in der Büchergilde in Wiesbaden, die wiederum eine Fortsetzung anderer Erfahrungen ist, wie der Ausstellung "3. Zeigung".

 

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