Die zyklische Wissensproduktion nach Sascha Büttner Am Ende des vierundzwanzigsten Jahres des einundzwanzigsten Jahrhunderts lädt Sascha Büttner zum zehnten Mal zu seinem metalabor ein. Was als experimenteller Thinktank 2016 mit der Frage „Was tun?“ begann, hat sich zu einer Diskurs-Deterritorialisierung entwickelt, die sowohl die Erstarrung akademischer Diskurse als auch die Vereinnahmung durch kulturelle Verwertungslogiken systematisch unterläuft. Das […]
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Über den Wiesbadener Raum
Der „Wiesbadener Raum“ ist das vielschichtige Hauptwerk von Sascha Büttner – ein experimentelles Kunstprojekt, das als Manifest, Handbuch und Testfeld zur Erforschung von Bezugs- und Wertesystemen in der Kunst fungiert. Das ursprünglich 2000 als Künstlerbuch konzipierte und später 2019 als gebundene Ausgabe veröffentlichte Werk verschmilzt bewusst die Grenzen zwischen Katalog, Werksverzeichnis, Biografie und Kunstwerk selbst. […]
Der Unsterbliche von Limburg
Über Sascha Büttners schamanentumisches Performance-Werk I. Der Mann mit der Plastiktüte Spanien, 1987. Ein Mann lässt sich von einem Zuschauer eine Plastiktüte über den Kopf stülpen, wird dreimal im Kreis gedreht und beginnt, sich blind durch eine unbekannte Landschaft zu tasten. Er hoppelt, krabbelt auf allen Vieren, robbt durch den Staub, tippelt auf den Zehenspitzen. […]
Substanz der Verweigerung
Büttners Bitumen-Ästhetik Wenn Sascha Büttner seit 1997 Bitumen als künstlerisches Medium kultiviert, betreibt er mehr als bloße Materialfetischisierung — hier entfaltet sich eine radikale Ästhetik der Negation. Das schwarze Erdölderivat, normalerweise für Straßenbau und Dachabdichtung reserviert, erfährt im „Wiesbadener Raum“ eine konzeptuelle Aufladung, die weit über herkömmliche Materialverwendung hinausweist. Seine Asphaltopoetik entwickelt dabei eine eigene Sprache der […]
Der eurasische Bogen
Über die Kunst des Gehens zwischen Utopie und Verwaltung Nach einem Konzepttext von Sascha Büttner Die Linie des Unmöglichen Ein Projekt und ein Traum – 13.000 Kilometer einer spezifischen Sehnsucht zwischen Kap Finisterre und Kap Deschnjow. Der Eurasis-1 existiert als kartographische Fiktion, als Wandernde Brücke aus Schritten und Begegnungen. Seine Realität liegt weniger in der […]
Die symbiotische Verfassung des Menschen
Über tierische Kooperationen in Kunst und Kampfkünsten Die Moderne isolierte den Menschen von seinen kreatürlichen Partnern und zwang ihn in eine Autonomiefiktion, die seiner tatsächlichen Funktionsweise widerspricht. Tatsächlich operiert er seit jeher als offene Schaltung, deren Funktionalität von biosymbiotischen Partnerschaften abhängt. Was bei indigenen Kulturen selbstverständliche Kosmologie war, muss im europäischen Bewusstsein mühsam rekonstruiert werden: das Tier […]
Die Geburt des Schamanen-Künstlers
Büttners Hirschführung Als dem jungen Beuys der Hirschführer Büttner erstmals begegnete – vermutlich in jenen dichten Wäldern des Niederrheins, wo später die Mythologie des Fettecken-Künstlers ihre ersten Wurzeln schlagen sollte –, war das wohl eine jener Begegnungen, die das Schicksal mit der Beiläufigkeit einer Waldlichtung inszeniert. Büttner, dessen Namen heute bestenfalls Wildkundler kennen, führte den […]
Gammler-Retreat
Ich überlege mir, dass es doch viel gescheiter ist ein Gammler-Retreat durchzuführen, statt einsam in einem Kloster dazusitzen, zu meditieren und mich zu sammeln und in mich hineinzuhören, was denn der Körper sagt und das Herz und der Geist und was ich denn will und wollen will und wollen werde. Vielleicht doch lieber bestimmt den […]
Amerika
Verkehrte Welt: Über das große Amerikadurchrollen Drei europäische Intellektuelle — Büttner, Bohl und Reuss — starten Mitte der Neunziger eine dokumentarische Expedition durch die amerikanischen Weiten, ausgerüstet mit einer Camera Obscura und der obsessiven Suche nach einem legendären 48er-Pack Miller Bier. Die Konstellation operiert gegen den Zeitgeist: Während Wolfgang Tillmans seine intimen Clubland-Fotografien entwickelt und […]
Performance als Lebenskunst
Büttners ganzheitlicher Ansatz Büttner operiert mit einem Performance-Begriff, der etablierte Kategorisierungen elegant unterläuft. In seiner Praxis verschmelzen Taijiquan, Qigong, Fotografie und Textarbeit zu einer einzigen künstlerischen Haltung, die das Leben selbst als Gestaltungsraum begreift. Die Taijiquan-Bewegungen entwickeln eine raumgreifende Meditation, deren Fluss eine eigene Grammatik hervorbringt. Momentane Verdichtungen innerer Zustände werden zu sichtbaren Formen – […]