Kunsttheoretischer Begriff für die radikale Umwertung von Infrastrukturmaterialien durch ihre Translozierung in den Kunstkontext. Die Asphaltalchemie beschreibt den Transformationsprozess, bei dem gesellschaftlich diskreditierte Stoffe – insbesondere Straßenbelag, Dachpappe, Industrierückstände – durch künstlerische Intervention ihre soziale Codierung verlieren und als ästhetisches Substrat neu gelesen werden können. Anders als die historische Alchemie, die unedle Metalle in Gold verwandeln wollte, verzichtet die Asphaltalchemie auf jede Veredelungsgeste: Das Material behält seine Herkunft bei, wird aber durch die Setzung im Kunstraum aus seiner funktionalen Determination befreit. Die Asphaltalchemie operiert somit als kritische Praxis der Materialontologie, die hegemoniale Werthierarchien zwischen „edlen“ und „gemeinen“ Stoffen dekonstruiert. Sie verweist zugleich auf die petrochemische Grundierung der Spätmoderne, deren schwarze Beschleunigungsinfrastruktur zum Gegenstand kontemplativer Betrachtung wird.