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Intentionalitätssuspension

[f., Singular; von lat. intentio = Absicht + suspensio = Aufhebung]

Kunsttheoretischer Begriff für die systematische Aussetzung des gestalterischen Willens als produktive Methode. Die Intentionalitätssuspension beschreibt einen Zustand, in dem der Künstler weder planvoll vorgeht noch dem Zufall überantwortet, sondern eine Zwischenzone kultiviert, in der Handlung ohne Absicht möglich wird. Der Begriff radikalisiert das zen-buddhistische Konzept des Muga (Nicht-Selbst), bei dem Kompetenz emergiert, sobald Absicht nachlässt. Während Muga primär auf die Aufhebung des Ego zielt, erweitert die Intentionalitätssuspension den Fokus auf die gesamte teleologische Struktur des Schaffensprozesses: Nicht nur das Selbst, auch das Ziel wird suspendiert. Diese Praxis unterscheidet sich fundamental vom Automatismus der Surrealisten, der das Unbewusste als alternative Steuerungsinstanz einsetzt. Die Intentionalitätssuspension eliminiert jede Steuerung – bewusst wie unbewusst – zugunsten eines Geschehenlassens, das weder determiniert noch aleatorisch ist.