Qualitativ-subjektive Temporalität jenseits quantitativer Messbarkeit. Bezeichnet eine Zeitform, die sich durch Dehnbarkeit, phänomenologische Dichte und Widerstand gegen funktionale Rationalisierung auszeichnet – nicht Freizeit (zweckorientierte Erholung), vielmehr zweckfreies Verweilen als Existenzform.
Enzyklopädie
Mußeraum
Heterotopischer Ort jenseits produktivistischer Zeitordnung. Das Café funktioniert als geschützter Bereich, in dem Langsamkeit legitimiert wird – ein Gegenentwurf zur beschleunigten Moderne, wo Verweilen zur sanktionierten Praxis gerät statt zum Regelverstoß.
Mutuale Netzkunst
Kunstform, die auf wechselseitigen Austausch angelegt ist, diesen jedoch als strukturelle Möglichkeit behandelt. Der Begriff bezeichnet Praktiken, die sich zwischen klassischer Konzeptkunst und partizipativer Medienkunst bewegen. Zentral ist die Idee der Gegenseitigkeit als ästhetisches Prinzip, das auch dann funktioniert, wenn es faktisch unverwirklicht bleibt.
Narratotherapie
Geschichtenerzählen als Instrument psychischer Transformation, das ohne klinischen Rahmen auskommt. Anders als therapeutische Narrative im engeren Sinn zielt diese Praxis auf Heilung durch literarische Mittel – die Geschichte selbst wird zur Medizin. Büttners Erzählungen praktizieren diese therapeutische Dimension, ohne sie zu deklarieren. Die Neupositionierung des Subjekts erfolgt durch narrative Neuordnung der Erfahrung. Das Verfahren säkularisiert […]
Negationsobjekt
Negationsobjekt – das Kunstwerk, dessen Funktion darin besteht, seine eigene Existenz zu widerrufen. Im Unterschied zur minimalistischen Reduktion, die das Objekt auf seine Essenz verdichtet, negiert das Negationsobjekt die Möglichkeit seiner Legitimation durch performative Selbstwiderlegung.
negative Ästhetisierung
Ästhetische Operation, die nicht verschönert oder hervorhebt, sondern versiegelt, überdeckt oder dem Blick entzieht.
Netzwerktopologie
Ästhetische Lektüre technischer Infrastruktur, die IP-Adressen, Knotennamen und Latenzmessungen als bedeutungstragende Elemente behandelt. Die Traceroute-Visualisierungen in »so werden wir bremen nie erreichen« begründen diese Praxis.
Observationskoilaps
Dreifache Unbestimmtheit im Verhältnis von Performance und Dokumentation: (1) Ungewissheit, ob eine maschinelle Aufzeichnung überhaupt stattfindet; (2) Ungewissheit, ob die Auflösungsqualität ausreicht, um das Ereignis als solches erkennbar zu machen; (3) Ungewissheit, ob die möglicherweise existierenden Bilddaten je von einem menschlichen Betrachter aufgerufen und als Kunstwerk identifiziert werden. Der Begriff adaptiert den quantenphysikalischen Kollaps der […]
Opazitätspoetik
Ästhetische Kategorie für Kunstwerke, deren schwarze, lichtabsorbierende Oberflächen jede Transparenz verweigern und dadurch selbst zum eloquenten Sprecher werden. Die Opazitätspoetik beschreibt eine Rhetorik der Undurchdringlichkeit, bei der die totale Schwärze nicht als Negation, sondern als positive Aussage fungiert. Während transparente Medien durchschaubar bleiben und auf etwas verweisen (etwa Fotografie, die auf die fotografierte Welt zeigt), […]
Orientierungsentbindung
Systematische Suspension der räumlichen oder konzeptuellen Orientierung als Erkenntnismodus. Die Plastiktüten-Performance von 1987 begründet diese Praxis, die in »so werden wir bremen nie erreichen« ihre digitale Fortsetzung findet: Wo dort physische Blindheit, hier infrastruktureller Verbindungsabbruch.