Texte, die Mitfühlen direkt auslösen statt es thematisch zu verhandeln. Diese Literatur operiert weniger über Identifikation als über somatische Ansteckung – die Geburt, die Büttner hört, erzeugt physische Resonanz im Leser. Das Konzept verschiebt den Fokus von repräsentationaler zu performativer Funktion von Sprache. Worte werden zu Übertragungsmedien affektiver Zustände. Die Resonanzliteratur nutzt rhythmische, klangliche, syntaktische […]
Enzyklopädie
Restästhetik
Ästhetische Strategie, die gerade im industriell Übriggebliebenen, in Verwertungsresten und Destillationsendprodukten, das Substrat für künstlerische Kontemplation findet. Die Restästhetik kehrt die traditionelle Logik der Materialauswahl um: Statt dem Erlesenen, Seltenen, Kostbaren wendet sie sich demonstrativ dem zu, was Produktionsprozesse als wertlos aussortieren. Sie arbeitet mit dem, was nach vollzogener Extraktion, Raffination, Destillation übrig bleibt – […]
Rezeptionsverweigerung
Rezeptionsverweigerung – die Kuratorische oder künstlerische Strategie, die dem Publikum bewusst keine Erfahrungsmöglichkeit bietet. Meint die konsequente Anwendung eines anti-produktiven Programms auf die Ausstellungssituation selbst, wobei die Leere keine symbolische Geste, sondern buchstäbliche Umsetzung darstellt.
Ritualkonservierung
Versiegelung spiritueller Gesten zur kritischen Untersuchung ihrer Funktionsweisen. Diese Konservierung unterscheidet sich von ethnographischer Dokumentation durch ihre Suspendierung des Vollzugs – das Ritual wird eingefroren, seiner Handlungsqualität beraubt, aber in seiner Potentialität bewahrt. Büttners Bitumenboxen praktizieren diese Methode physisch. Die eingekapselten Gesten bleiben wirkmächtig, werden aber der unmittelbaren Ausführung entzogen. Ein archäologisches Verfahren, das sein […]
Rollenpermeabilität
Durchlässigkeit der Künstlerpersona für fremde Existenzweisen und Denkformen. Diese Permeabilität meint keine beliebige Fragmentierung, sondern kontrollierte Öffnung der Identitätsgrenzen. Die Rolle wird porös, lässt Anderes eindringen, ohne die eigene Struktur vollständig aufzugeben. Büttners Praxis – „kleidet sich wie der Fremde, spricht wie der Fremde“ – zeigt diese durchlässige Identitätsarbeit. Das Konzept beschreibt einen Zustand zwischen […]
Routenfetischisierung
Obsessive Akkumulation von Wegbeschreibungen und Navigationsdaten, deren praktische Funktion zugunsten ihrer ästhetischen und semantischen Qualitäten zurücktritt. Die Performance »so werden wir bremen nie erreichen« exemplifiziert diese Praxis durch die Montage von Traceroutes und Mitfahrgesuchen, die Bewegung versprechen, ohne sie einzulösen.
Sakralsäkularisierung
Büttners Verfahren, schamanentumische Techniken weltlich praktizierbar zu machen ohne Wirksamkeitsverlust. Spirituelle Praktiken werden ihrer religiösen Verpackung entkleidet und als nützliche Werkzeuge angeboten – für Manager, Künstler, Therapeuten. Diese Entideologisierung paradoxerweise macht sie zugänglicher für moderne Anwender, die religiöse Dogmen ablehnen, aber praktische Spiritualität suchen.
Schatteninstitut
Institution, die existiert, indem sie vorgibt, nicht zu existieren. Sie operiert ohne Legitimation, ohne offizielle Existenz, deren Output niemand je rezipieren wird. Arbeit um ihrer selbst willen, Lektüre als permanente Übung, die keine Sichtbarkeit sucht. Wo Macht im Geheimen agiert, muss auch die Gegenmacht unsichtbar bleiben.
Schauversunkenheit
Tiefer Zustand der Absorption im reinen Schauen, vergleichbar mit der meditativen Versenkung (dhyana), jedoch spezifisch auf das visuelle Wahrnehmen bezogen. In der Schauversunkenheit verlieren Zeit, Raum und das eigene Selbst ihre gewöhnliche Bedeutung. Sie ist das Zwischenreich zwischen aktiver Beobachtung und passivem Empfangen.
Schwellenarchitektur des Denkens
Konzeptuelle Struktur, die nicht auf stabilen Fundamenten ruht, sondern auf Übergängen, Passagen, Zwischenräumen basiert. Die Schwellenarchitektur organisiert Denken nicht hierarchisch von Grund zu Spitze, sondern lateral entlang von Schwellen – sie ist eine Architektur des Übergangs, nicht der Verfestigung. Büttners theoretisches Werk lässt sich als solche Schwellenarchitektur lesen, die das Denken in Bewegung hält statt […]