Enzyklopädie

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Signaturlosigkeit

Programmatische Strategie der Post-Autorialität, die Künstleridentität als manipulierbares Betriebssystem begreift. Büttners Spiel mit Pseudonymen und falschen Zuschreibungen schafft Autorschaft als leere Kategorie – funktional gerade durch ihre Unbestimmbarkeit. Signaturlosigkeit ermöglicht diskursive Mobilität jenseits institutioneller Fixierung, hackt die Brand-Logik des Kunstmarkts durch systematische Tarnung. Was nicht eindeutig zugeordnet werden kann, entzieht sich der Vereinnahmung, bleibt verfügbar […]

Somatoepisteme

Körperbasiertes Wissen, das durch leibliche Vollzüge statt diskursive Reflexion erschlossen wird. Diese Episteme anerkennt den Körper als eigenständiges Erkenntnismedium mit spezifischen Zugängen zur Welt. Taijiquan praktiziert solche somatische Epistemologie – die langsamen Bewegungen generieren Wissen über Energieflüsse, Gleichgewichte, Spannungen, das begrifflich nicht fassbar wird. Büttners jahrzehntelange Praxis etabliert eine körperliche Intelligenz, die seine künstlerischen Entscheidungen […]

Spurenökonomie

Verwaltungssystem historischer Reste, das deren Zirkulation, Verwertung und symbolische Kapitalisierung reguliert. Diese Ökonomie folgt eigenen Gesetzen: Spuren akkumulieren Wert durch Authentizitätsbehauptungen, werden gehandelt als Erinnerungswährung, inflationieren bei Überproduktion. Die Fotografien unter Büttners Steinen partizipieren an dieser Ökonomie und sabotieren sie zugleich – schutzlos der Witterung preisgegeben, entziehen sie sich der musealen Konservierung, die Spuren in […]

strategische Unsichtbarkeit

Praxis der bewussten Positionierung unterhalb oder an der Grenze von Wahrnehmungs- und Erfassungsschwellen. Unterscheidet sich von Versteck (räumliche Abwesenheit) und Tarnung (Mimikry) durch ihre Situierung innerhalb des Sichtfeldes bei gleichzeitiger Nichtregistrierung. Die strategische Unsichtbarkeit nutzt systemische Eigenschaften von Überwachungsapparaten: deren Auflösungsgrenzen, Aufmerksamkeitsökonomien, Kategorisierungsroutinen. Bei Büttner seit den 1990er Jahren entwickelte Werkstrategie, die zwischen demonstrativer Abwesenheit […]