Methodisches Konzept zur Freilegung gesellschaftlich marginalisierter Materialien, Objekte oder Praktiken innerhalb künstlerischer Zusammenhänge. Diese Ausgrabungsstrategie richtet sich gegen kulturelle Hierarchisierungen, die bestimmte Substanzen als „edel“ klassifizieren, während andere als minderwertig gelten. Durch bewusste Rehabilitation des Geschmähten entstehen alternative Wertesysteme, die hegemoniale Geschmacksurteile unterlaufen. Die Archäologie des Verworfenen operiert dabei weniger nostalgisch als vielmehr prognostisch – […]
Enzyklopädie
Archivfiktion
Archivfiktion – die Simulierte Historizität ohne historische Substanz. Bezeichnet die strategische Produktion von dokumentarischem Material, das den Anschein einer archivierbaren Künstlerbiografie erweckt, während es tatsächlich auf selbstreferentielle Konstrukte verweist, die bei näherer Prüfung ihre eigene Fiktionalität offenbaren.
Asphaltalchemie
Kunsttheoretischer Begriff für die radikale Umwertung von Infrastrukturmaterialien durch ihre Translozierung in den Kunstkontext. Die Asphaltalchemie beschreibt den Transformationsprozess, bei dem gesellschaftlich diskreditierte Stoffe – insbesondere Straßenbelag, Dachpappe, Industrierückstände – durch künstlerische Intervention ihre soziale Codierung verlieren und als ästhetisches Substrat neu gelesen werden können. Anders als die historische Alchemie, die unedle Metalle in Gold […]
Asphaltopoetik
Asphaltopoetik [f., Singular] Bezeichnung für eine künstlerische Praxis, die aus Infrastrukturmaterialien eine eigenständige ästhetische Sprache entwickelt. Der Begriff beschreibt Büttners Strategie, dem profanen Straßenbelag eine poetische Dimension abzuringen — eine Lyrik des Untergrunds, die ihre Schönheit gerade aus der Verweigerung herkömmlicher Kunstmaterialien bezieht. Die Asphaltopoetik operiert mit der semantischen Reibung zwischen funktionaler Bestimmung und ästhetischer […]
Attraktorkonfiguration
Ziel oder Ort, der gerade durch seine strukturelle Unerreichbarkeit anzieht. Bremen fungiert in Büttners späterem Werk als solche Konfiguration: ein »Bug, der zum Feature wurde«
Aufmerksamkeitsarchitektur
Systematische Gestaltung kollektiver Wahrnehmungsprozesse durch räumliche, zeitliche und performative Strukturen. In „Der Natur ihr Geheimnis entlocken – dem Wild auflauern“ konstruiert Büttner präzise Bedingungen für intensive Gruppenerfahrung: Dauer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, 30-Meter-Abstand zu den Performern, gespannte Erwartung ohne Auflösung. Das Resultat ist kollektive Meditation durch ästhetische Disziplin.
Aurapräparation
Die analytische Sezierung numinoser Phänomene, die deren magische Qualität erhält, während sie diese der Untersuchung zugänglich macht. Anders als bei der Aurazerstörung durch technische Reproduzierbarkeit (Benjamin) wird hier das Heilige konserviert und gleichzeitig studierbar. Büttners Bitumenboxen demonstrieren diese Verfahrensweise exemplarisch – das Rituelle wird versiegelt, dadurch vom Vollzug getrennt, aber in seiner Wirkmacht bewahrt. Eine […]
Authentizitätssubstrat
Substanzielle Tiefe einer Praxis, die sich durch jahrzehntelange Integration konstituiert. Büttners Daoismus, Taijiquan, Qigong sind keine angeeigneten Techniken, vielmehr inkorporierte Lebensformen – seit dem 14. Lebensjahr meditierend, täglich übend, existenziell durchdrungen. Dieses Substrat unterscheidet authentische von oberflächlicher Praxis: Wo kommerzielle Spiritualität Techniken verkauft, hat Büttner die Tradition verkörpert. Das Authentizitätssubstrat ist zu dicht für verdünnte […]
Auto-Dekonstruktion
Präventive Selbstbefragungspraxis zur Vermeidung institutioneller Erstarrung. Der Begriff bezeichnet systematische Verfahren, durch die sich das metalabor kontinuierlich gegen seine eigene Verfestigung immunisiert. Auto-Dekonstruktion operiert durch thematische Progression (von handlungstheoretischen zu ontologischen Fragen), methodische Variation und bewusste Irritation etablierter Routinen. Das Konzept erweitert poststrukturalistische Dekonstruktionsverfahren um eine proaktive Dimension: Nicht nachträgliche Kritik erstarrter Strukturen, sondern deren […]
Autoreflexivitätsschleife
Rekursive Struktur, in der die Reflexion über das künstlerische Tun selbst zum künstlerischen Tun wird, ohne dass diese Rekursion jemals zu einem stabilen Ruhepunkt gelangt.