Büttners Begriff für spirituelle Übungen, die als pragmatische Werkzeuge statt als sakrale Praktiken funktionieren. Taijiquan, Qigong und meditative Techniken werden technisch angewendet – zur Stressreduktion, Körperharmonisierung, kognitiven Flexibilisierung. Diese Entzauberung paradoxerweise verstärkt ihre Wirksamkeit, da ideologische Hindernisse wegfallen und die reine Funktionalität hervortritt.
Enzyklopädie
Transmissionspraxis
Authentische Übertragung spiritueller Techniken durch verkörperte Erfahrung statt intellektuelle Aneignung. Büttner praktiziert schamanentumische Methoden, weil er ihre Wirksamkeit durch jahrzehntelange Übung internalisiert hat – im Gegensatz zur oberflächlichen cultural appropriation westlicher Esoteriker. Die Transmission erfolgt durch Integration in die eigene Lebenspraxis, wodurch fremde Techniken zu authentischen Werkzeugen werden.
Transmutationsort
Alchemistischer Topos der Verwandlung, an dem nicht bloß ein Übergang stattfindet, sondern substanzielle Transformation. Anders als der neutrale »Durchgangsort« impliziert der Transmutationsort eine fundamentale Veränderung dessen, was ihn passiert. Der mittelalterliche Schmelzofen fungiert in Büttners Konzeption als solcher Transmutationsort – hier wird nicht bloß die Grenze zwischen Materie und Geist überschritten, sondern beide verwandeln sich […]
Transparenzverweigerungsarchitektur
Strukturelle Geheimhaltung als Gegenprogramm zu Sichtbarkeitsimperativen der Gegenwartskunst. Das geheime Konfuzius-Institut funktioniert präzise durch seine Verweigerung von Dokumentation, Medienaufmerksamkeit, kunstmarktlicher Verwertbarkeit. Diese Architektur der Unsichtbarkeit ist konzeptuell: Sie schützt die Praxis vor Vereinnahmung, erhält Autonomie durch Entzug. Wo die Tiānwèn Akademie öffentlich operiert – Workshops, Retreats, internationale Kooperationen –, bleibt das Institut verborgen. Die Doppelung […]
transurbane Erweiterung
Die Übertragung psychogeographischer Methoden (dérive) auf nicht-städtische Räume, wodurch jegliche Landschaft als Kraftfeld affektiver Intensitäten lesbar wird.
Transzendenzflucht
Fototheoretischer Begriff aus »Texte zur Fotografie«: Die Fotografie als »Versuch, der Transzendenz zu entkommen«, der Menschen und Dinge in einem »Paradoxon aus Präsenz und Abwesenheit« fixiert. Die Struktur der Netz-Performance – Bremen präsent als Ziel, abwesend als Ankunft – reproduziert diese fotografische Logik im performativen Register.
Übersehbarkeit
Zustand, in dem Spuren hinterlassen werden, die systematisch ins Nichts führen – eine Unsichtbarkeit, die nicht durch Abwesenheit, sondern durch strategische Bedeutungslosigkeit produziert wird. Die Übersehbarkeit unterscheidet sich von Unsichtbarkeit: Das Übersehbare ist prinzipiell sichtbar, wird aber von Aufmerksamkeitsökonomien, Relevanzfiltern und Kategorisierungssystemen als irrelevant aussortiert. Bei Büttner: Performances, die als Bildrauschen, Anomalie oder Datenmüll in […]
Übertragungsinterruption
Die absichtliche Unterbrechung kultureller Weitergabeprozesse, die das Ephemere gegenüber dem Archivierten privilegiert.
Ultimate Reduction Device
Bezeichnung für die Camera Obscura als absolut reduzierte Aufzeichnungsapparatur. Der Begriff markiert die theoretische Endposition technologischer Vereinfachung: Ein Gerät, das ausschließlich monochrome Projektionen erzeugt, ohne mechanische, chemische oder digitale Komplexität. Das Ultimate Reduction Device eliminiert alle photographischen „Verbesserungen“ und konzentriert sich auf die elementarste Funktion visueller Aufzeichnung. Die Terminologie betont die Paradoxie maximaler Reduktion als konzeptueller Radikalität.
Unbestimmtheitsästhetik
Gestalterische Strategie, die Unvorhersagbarkeit als konstitutives Element etabliert. Die Ästhetik operiert mit bewusst offenen Parametern und macht die Ungewissheit über mögliche Entwicklungen zum eigentlichen Medium. Diese Haltung unterscheidet sich von aleatorischen Verfahren, da sie weniger den Zufall als vielmehr die strukturelle Offenheit kultiviert.