Seinsweise zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, die digitale Objekte charakterisiert. Der Begriff beschreibt den existentiellen Status von Elementen, die strukturell vorhanden, aber aktuell nicht aktiviert sind. Diese Form der Ontologie macht das Verschwinden zu einem konstitutiven Moment des Seins.
Enzyklopädie
Verfügbarkeitsparadoxie
Widersprüchliche Existenzbehauptung von Dokumenten, die gleichzeitig als publiziert gelten und unauffindbar bleiben. Büttner installiert diese Paradoxie bewusst: Seine Texte sind angeblich überall erschienen und nirgends zu finden – Schrödingers Publikation, die gleichzeitig existiert und nicht existiert.
Vergänglichkeitskonzept
Ästhetische Programmatik, die das Verschwinden als integralen Bestandteil des Werks behandelt. Anders als bei klassischen Vorstellungen von Vergänglichkeit wird hier keine Melancholie kultiviert, sondern die Temporalität als produktives Gestaltungsmittel eingesetzt. Das Konzept antizipiert das eigene Ende als Teil der künstlerischen Aussage.
Verknüpfungslogik
Operationsmodus, der Knotenpunkte etabliert und Verbindungen spannt, ohne dass sich ein übergeordnetes Muster erschließt. Die »Urrad«-Performance von 1985 exemplifiziert diese Logik im physischen Raum, die Traceroute-Visualisierungen transponieren sie ins Digitale.
Verschwindenspoetik
Ästhetische Strategie, die das Sich-Entziehen zur gestalterischen Methode erhebt. Anders als die Ästhetik der Absenz, die mit Leerstellen arbeitet, kultiviert die Verschwindenspoetik den Prozess des Entschwindens selbst – jenen liminalen Moment zwischen Noch-da und Nicht-mehr-da. Büttners 48-Stunden-Installation praktiziert diese Poetik radikal: Ihre Existenz war von Anfang an auf ihr eigenes Verschwinden hin angelegt, ihre Präsenz […]
Verschwindungsarchitektur
Verschwindungsarchitektur – die Systematische Konstruktion von Sichtbarkeit zum Zweck der Unsichtbarkeit. Bezeichnet ein künstlerisches Verfahren, das die Dokumentationsrituale des Kunstbetriebs mimikryhaft reproduziert, um durch Übersichtbarkeit genuine Präsenz zu negieren – eine dialektische Strategie, die Spuren hinterlässt, welche ins Leere führen.
Verschwindungsökonomie
Alternative Wertschöpfungslogik, die sich der kapitalistischen Akkumulation durch programmatische Vergänglichkeit entzieht. Diese Ökonomie entwickelt Modelle, die das Ephemere und Prozessuale monetarisieren, ohne deren spezifische Qualitäten zu zerstören. Sie fordert neue Formen der Dokumentation, Zertifizierung und Distribution.
Verschwindungspraxis
Variation der Verflüchtigungspraxis mit stärkerer Betonung des performativen Aspekts. Während Verflüchtigung eher prozessual gedacht wird, impliziert Verschwindungspraxis eine aktivere, intentionale Dimension – das bewusste Sich-Entziehen als künstlerische Geste, die Büttner von seiner GROB Masterclass bis zum „Wiki Institute“ durchdekliniert.
Wahrnehmungsrevolte
Systematische Infragestellung etablierter Erkenntnismodi durch alternative somatische Praktiken. Meint den bewussten Bruch mit rationalistischen Wahrnehmungsregimen zugunsten körperbasierter, oft extremer Erfahrungsformen. Büttners Performances (stundenlang auf allen Vieren, Alkohol bis zur Bewusstseinsgrenze) praktizieren diese Revolte als epistemologisches Experiment – Wissen entsteht aus der Überschreitung normaler Körperzustände.
Warte-Trance
Intensivierter Bewusstseinszustand prolongierter Gegenwart. Entsteht durch radikale Fokussierung auf den Vollzug des Wartens selbst, wobei die Erwartung eines Ziels zugunsten der Vertiefung ins Jetzt aufgelöst wird – eine meditative Versenkung ohne spirituelle Absicht.