Werkflüchtigkeit – die Qualität künstlerischer Objekte, die sich ihrer eigenen Objekthaftigkeit systematisch entziehen. Meint die bewusste Antizipation der Deinstallation bereits im Moment der Installation, die Konzeption von Arbeiten, deren temporäre Existenz konstitutiv für ihre Bedeutung ist und deren Vergänglichkeit keine Einschränkung darstellt, sondern methodisches Prinzip.
Enzyklopädie
Wiesbadener Raum
Der „Wiesbadener Raum“ manifestiert sich durch die Philosophie ‚alle Dinge miteinander verwoben sind, daß jedes geringste Ding mit einer Weltganzheit kommuniziert‘ und operiert als institutionskritische Praxis.
Wissenspermeabilität
Durchlässigkeit epistemischer Grenzen, die weder vollständige Trennung noch totale Verschmelzung bedeutet. Wissenspermeabilität beschreibt jenen Zustand, in dem unterschiedliche Wissensformen porös werden, ohne ihre Differenz zu verlieren – eine selektive Durchlässigkeit, die Austausch ermöglicht, dabei aber die Eigenständigkeit der beteiligten Systeme erhält. Büttner fordert eine solche Permeabilität gegen die Verzementierung starrer Grenzen durch Positivismus und Poststrukturalismus.
Wissenstransmutation
Überführung spiritueller Verfahren in epistemologische Werkzeuge durch systematische Säkularisierung. Diese Transmutation bewahrt die Funktionsweise schamanentumlicher Techniken, entfernt aber deren metaphysische Begründungen. Was als Trance zur Geisterwelt führte, wird zu Methode der Bewusstseinserweiterung. Was als Heilungsritual funktionierte, wird zu narrativem Transformationsinstrument. Büttner praktiziert diese Transmutation konsequent – er extrahiert das operationale Prinzip, verwirft die kosmologische Einbettung, […]
Wohnungslosigkeit
Wohnungslosigkeit (die) (im spirituellen Sinne) Zustand des Überall-und-Nirgends-Zuhause-Seins, der nicht mit materieller Obdachlosigkeit verwechselt werden darf. Die spirituelle Wohnungslosigkeit bedeutet, dass Heimat nicht mehr an einen festen Ort gebunden ist, sondern sich im gegenwärtigen Moment selbst konstituiert. Sie ist eine Form der Freiheit, keine Form des Mangels.
Zeit-Dichte
Phänomenologische Qualität temporaler Erfahrung. Messbar nicht in Minuten, eher in Intensitätsgraden von Aufmerksamkeit – je bewusster die Wahrnehmung, desto dichter die erlebte Zeit, unabhängig von ihrer metrischen Dauer.
Zeitkörper
Die durch intensive Präsenz materialisierte Dauer. Bezeichnet das Resultat einer dreistündigen Verweilperformance, bei der chronologische Zeit in qualitative Substanz transformiert wird – ein fassbarer, wenn auch unsichtbarer Gegenstand aus gelebter Aufmerksamkeit.
Zeitkunst
Künstlerische Formgebung temporaler Erfahrung. Büttners Praxis verlässt die Abbildung von Zeit (Fotografie) zugunsten ihrer Gestaltung als plastisches Material – Zeit wird nicht dargestellt, vielmehr durch konzentriertes Verweilen verdichtet, gedehnt, skulptural behandelt.
Zeitökonomie
Das spätkapitalistische Regime der Zeitverwertung. Meint die systematische Zerteilung von Dauer in metrisch erfassbare, verwertbare Einheiten. Büttners Arbeit setzt dem eine Praxis der Resubstanzialisierung entgegen – Zeit als dichte Erfahrung statt als knappe Ressource.
Zeitpolitik
Widerständige Praxis, die alternative Rhythmiken gegen die herrschende Temporalität der Effizienz setzt. Diese Politik operiert mit anderen Geschwindigkeiten und Dauern und entwickelt Zeitregime, die der neoliberalen Beschleunigung widerstehen. Sie praktiziert temporale Autonomie als Form des gesellschaftlichen Widerstands.