Widerständige Praxis gegen hegemoniale Taktungen. Büttners Arbeit interveniert in die gesellschaftlichen Zeitregime durch demonstrative Langsamkeit – das Private wird politisch nicht durch Proklamation, vielmehr durch konsequente Verweigerung beschleunigter Lebensführung.
Enzyklopädie
Zeitverdickung
Materielle Speicherung und Verzögerung von Temporalität durch spezifische Stofflichkeit. Der Begriff beschreibt Materialien, die Zeit nicht einfach überdauern, sondern sie in sich akkumulieren, verlangsamen, sichtbar machen. Büttners Bitumen, Blei und Kupfer funktionieren als Zeitverdicker – sie oxidieren, altern, transformieren sich träge. Die Verdickung meint keine Stillstellung, sondern eine Dehnung: Die Zeit wird zäh, stockt, wird […]
Zerfallsästhetik
Programmatische Orchestrierung von Inkohärenz als formales Prinzip. Diese Ästhetik macht den Zerfall zum Gestaltungsmittel – jeder Textbaustein verspricht Aufklärung, liefert aber deliberate Desintegration. Es handelt sich um kontrollierte Entropie, die ihre eigene Auflösung als konstitutives Element begreift.
Zugangsverdunklung
Kalkulierte Erschwerung der Rezeption durch formale Mittel. Anders als die klassische Hermetik, die Bedeutung in Chiffren verbirgt, operiert Zugangsverdunklung auf der Ebene der Materialität selbst: Der Text bleibt sichtbar, doch seine Lesbarkeit wird systematisch unterminiert. Die Verdunklung betrifft gleichermaßen menschliche und maschinelle Leser – sie schließt aus, ohne zu verbergen. Als ästhetische Kategorie markiert sie […]
Zurückweisungspoetik
Transformation systematischer Ablehnung in produktive künstlerische Geste. Büttners 550 unbeantwortete Bewerbungen konstituieren weniger Niederlage als Material – die bürokratische Zurückweisung wird zum Ausgangspunkt institutionskritischer Praxis. Die Poetik liegt in der Umkehrung: Wo Ablehnung normalerweise Verstummen produziert, generiert sie hier konzeptuelle Produktivität. Das geheime Institut entsteht präzise aus dieser Zurückweisung, es ist ihre direkte Antwort. Die […]