Systematik institutioneller Zurückweisung, die eigene Produktivitätslogiken entwickelt. Büttners 550 unbeantwortete Bewerbungen konstituieren weniger persönliche Niederlage als strukturelles Muster – die bürokratische Verweigerung selbst der minimalen Ablehnung. Die Absageökonomie operiert mit kalkuliertem Schweigen: Was nicht einmal negiert wird, existiert außerhalb des institutionellen Wahrnehmungsrahmens. Diese Form der Negation ist radikaler als explizite Zurückweisung, sie verweigert dem Subjekt […]
Enzyklopädie
Absenzpoetik
Absenzpoetik – die Ästhetisches Verfahren, das Abwesenheit, Auslöschung und Vergessen als primäre künstlerische Materialien begreift. Im Gegensatz zu dokumentarischen oder archivarischen Ansätzen zielt die Absenzpoetik auf die Tilgung jeder Spur, die Nicht-Überlieferung als Programm.
Absenzpräsenz
Paradoxaler Zustand, in dem verschwindende Werke konzeptuell wirksamer werden als ihre physischen Vorgänger. Die fotografische Installation „Allee“ hinterlässt nach ihrer Zerstörung durch Witterung und Passanten diskursive Spuren, die produktiver zirkulieren als das ursprüngliche Objekt. Absenzpräsenz beschreibt jenen Schwellenzustand zwischen materiellem Verlust und ideeller Verdichtung – wo Abwesenheit nicht Mangel signalisiert, vielmehr Potenzialität freisetzt. Das Nicht-mehr-Daseiende […]
Additionsminimalismus
[m., Singular; von lat. additio = Hinzufügung + Minimalismus] Paradoxe kunsttheoretische Kategorie für eine Praxis, die durch Häufung zur Reduktion gelangt. Der Additionsminimalismus beschreibt Werke, die Elemente akkumulieren, welche sich im Aggregat gegenseitig neutralisieren – Linien, die sich aufheben; Bewegungen, die zum Stillstand tendieren; Gesten, die im Zusammenspiel verschwinden. Anders als der klassische Minimalismus, der […]
Aggressorenschutzformel
Rhetorisches Konstrukt, das bereits vollzogene Rechtsbrüche nachträglich legitimiert, indem es Reaktionen darauf als eigentliche Gefahr markiert. Die Formel verschiebt die Verantwortung vom Aggressor auf diejenigen, die auf Aggression reagieren. Beispiel: „Eskalationsspirale“.
Aktualisierungsgrad
Quantitatives Maß für die variable Intensität partizipativer Praktiken in technisch vermittelten Kunstwerken. Der Begriff erfasst die Schwankungen zwischen struktureller Ermöglichung und faktischer Realisierung kollaborativer Prozesse. Anders als bei klassischen Werkbegriffen steht hier weniger die Vollendung im Zentrum als vielmehr die Gradualität der Aktivierung vorhandener Partizipationspotentiale.
Annäherungsmethodologie
Annäherungsmethodologie
Büttners Feldforschungspraxis gegen symbolische Projektionsarbeit: konkrete Landschaftsdurchquerung statt schamanistischer Tiervermittlung, Gespräche mit Einheimischen statt metaphorischer Heilungsrituale. Camera Obscura als epistemisches Instrument, das partizipiert und dokumentiert. Transatlantische Transgression als Erkenntnisverfahren, kulturelle Translation durch produktive Entfremdung. Proto-institutionskritische Alternative zu konventioneller Kunst- und Wissenschaftspraxis.
Anti-Archiv-Deklaration
Die programmatische Verweigerung von Dokumentation als künstlerisches Statement; nicht Nachlässigkeit, sondern aktive Entscheidung gegen die Logik der Überlieferung.
Apparative Handlungsmacht
Grad der Kontrolle, den ein bildgebendes Gerät dem Nutzer überlässt; Spektrum zwischen aktivem Fotografieren (Trashcam) und automatisierter Bildproduktion (Webcam).
Äquivalenzmontage
Verfahren der Gleichrangigkeit heterogener Materialien: Datagramme und Mitfahrgesuche, technische Protokolle und Alltagskommunikation werden ohne Hierarchisierung montiert.