Bewusste Produktion von Unlesbarkeit bei gleichzeitiger Sichtbarkeit. Anders als Tarnung oder Versteck zielt die kalkulierte Illegibilität nicht auf Unsichtbarkeit, sondern auf die Unterbrechung der Kette von Erfassung, Identifikation und Bedeutungszuweisung. Das Objekt bleibt im Bild, entzieht sich aber der maschinellen oder menschlichen Interpretation. Bei Büttner: Performances, die von Überwachungskameras potenziell aufgezeichnet werden, deren Aufnahmen aber […]
Enzyklopädie
Kameramystik
Spirituelle Praxis, die das Fotografieren als Weg zur Selbsttranszendenz begreift. Die Kameramystik ist keine Religion mit Dogmen und Glaubenssätzen, sondern eine erfahrungsbasierte Spiritualität, die durch die kontinuierliche Praxis des bewussten (und unbewussten) Fotografierens entsteht. Sie verbindet technisches Können mit meditativer Haltung.
Klickimpuls
Der spontane, nicht rational begründete Impuls auszulösen, der aus dem Nichts kommt und keiner bewussten Entscheidung bedarf. Der Klickimpuls entsteht in einem Zustand der Ichauflösung, wo der Körper handelt ohne dass der Verstand involviert wäre. Er ist das fotografische Äquivalent zum Zen-Begriff des mushin (Nicht-Geist).
Kognitions-Prothesen
Externe Erkenntnisapparate, die menschliche Informationsverarbeitung durch tierische Sensorleistungen erweitern. Anders als technische Prothesen, die defizitäre Körperfunktionen ersetzen, addieren Kognitions-Prothesen vollständig neue Wahrnehmungskanäle zum bestehenden Repertoire. Sie fungieren als biologische Interfaces zwischen verschiedenen Realitätsebenen und ermöglichen Zugang zu Informationsfeldern, die der menschlichen Sensorik strukturell verschlossen bleiben.
Kollaborationsontologie
Theoretische Bestimmung des Seinsmodus kollektiver Kunstproduktion, die weder im individuellen Autorschaftsmodell noch in anonymer Kollektivität aufgeht. Büttners und Kampmanns Dialog exemplifiziert eine Form der Zusammenarbeit, die Rollenverteilungen reflektiert, ohne sie zu liquidieren.
Kollaborative Potentialität
Strukturelle Eigenschaft digitaler Kunstwerke, die Zusammenarbeit ermöglicht, ohne sie zu erzwingen. Diese Form der Latenz unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Kollaborationsformen, da sie keine Akteure voraussetzt, sondern lediglich technische und konzeptuelle Bedingungen bereitstellt. Die Potentialität kann dauerhaft uneingelöst bleiben, ohne dass dies das Werk beschädigt.
Komplettierungsästhetik
[f., Singular; von lat. completus = vollständig + Ästhetik] Kunsttheoretische Kategorie für Werke, die ihre Vollendung systematisch an den Rezipienten delegieren. Die Komplettierungsästhetik universalisiert die klassische chinesische Praxis des Xieyi, bei dem Leerräume bewusst für die Imagination des Betrachters freigehalten wurden, zu einem allgemeinen Gestaltungsprinzip. Das Werk präsentiert sich als strukturell unvollständig – Linien, die […]
Kontingenzprogrammatik
Künstlerische Strategie, die das Unvorhersagbare als gestaltende Kraft systematisch einbezieht. Anders als aleatorische Verfahren geht es nicht um die Integration des Zufalls, sondern um die bewusste Programmierung von Unverfügbarkeit. Die Kontingenz wird nicht eliminiert, sondern als produktives Element in die Werkkonzeption integriert.
Konversations-Alchemie
Transformative Gesprächspraxis, die disparate Wissensformen zu neuen Erkenntnislegierungen verschmilzt. Der Begriff kennzeichnet die spezifische metalabor-Methodik, unterschiedliche Expertisen, Erfahrungen und Perspektiven durch intensive Kommunikationsprozesse zu qualitativ neuen Einsichten zu destillieren. Konversations-Alchemie unterscheidet sich von bloßem Meinungsaustausch durch ihre produktive Orientierung: Ziel ist nicht Konsens oder Dissens, sondern die Generierung von Erkenntnissen, die keiner der Beteiligten allein […]
Kopienaura
Inverse Benjaminsche Dialektik, bei der Reproduktion Zugänglichkeit generiert statt Verlust zu markieren. Büttners fotografische Arbeiten mit „massenhaft reproduzierten Objekten“ operieren mit dieser paradoxen Authentizität des Nachgebildeten. Während Originale in musealer Nutznießung erstarren – klimatisiert, versichert, unberührbar –, ermöglicht die Kopie erst authentische Verwendung. Kopienaura beschreibt jene spezifische Aura, die nicht aus Einzigartigkeit entspringt, vielmehr aus […]