Die aktive Zurückweisung von Titeln, Positionen und Hierarchieplatzierungen als Form der Selbstpositionierung jenseits institutioneller Anerkennung.
Enzyklopädie
Straßensatori
Plötzliches Erwachen oder Einsichtsmoment (satori), das sich während des ziellosen Gehens durch urbane Räume ereignet. Das Straßensatori ist nicht planbar oder herbeiführbar, es geschieht spontan in der Begegnung mit dem Alltäglichen – einem Schatten, einer Geste, einem Lichtfall. Es ist die urbane Variante der Erleuchtungserfahrung.
strategische Unsichtbarkeit
Praxis der bewussten Positionierung unterhalb oder an der Grenze von Wahrnehmungs- und Erfassungsschwellen. Unterscheidet sich von Versteck (räumliche Abwesenheit) und Tarnung (Mimikry) durch ihre Situierung innerhalb des Sichtfeldes bei gleichzeitiger Nichtregistrierung. Die strategische Unsichtbarkeit nutzt systemische Eigenschaften von Überwachungsapparaten: deren Auflösungsgrenzen, Aufmerksamkeitsökonomien, Kategorisierungsroutinen. Bei Büttner seit den 1990er Jahren entwickelte Werkstrategie, die zwischen demonstrativer Abwesenheit […]
Strömungsästhetik
Ästhetische Position, die Bewegung nicht als teleologische Fortbewegung, sondern als oszillierendes Verweilen in Fließzuständen konzipiert.
Subjektmigration
Bewegung zwischen verschiedenen biografischen und existenziellen Territorien als künstlerische Methode. Diese Migration vollzieht sich zeitlich (andere Epochen), sozial (andere Milieus), psychisch (andere Bewusstseinszustände). Büttner migriert in fremde Künstlerleben, durchwandert deren Existenzräume, eignet sich deren Denkformen an. Das Konzept erweitert die Aneignungsästhetik um die Dimension der Bewegung – Identität wird zum Reisenden, der zwischen Positionen zirkuliert, […]
Subtraktion
Methodische Praxis des systematischen Wegnehmens als künstlerisches Verfahren. Der Begriff beschreibt Büttners operative Logik der Eliminierung: Farbe wird subtrahiert, spektrale Komplexität reduziert, visuelle Information auf elementare Strukturen konzentriert. Subtraktion fungiert als Gegenmodell zu additiven Kompositionsstrategien und etabliert Reduktion als produktive Kraft. Die Terminologie betont den aktiven Charakter des Verzichts – nicht Mangel, sondern bewusste Beschränkung als ästhetische Operation.
Systemfriktionen
Reibungsverluste, die entstehen, wenn heterogene Rationalitäten aufeinandertreffen. Künstlerische Produktion folgt anderen Logiken als digitale Distribution, thermodynamische Prozesse anderen als kuratorische Absichten. Systemfriktionen bezeichnen die Störungen, Verzögerungen und Ausfälle, die an diesen Schnittstellen auftreten – und die sich, einmal erkannt, als produktive Momente begreifen lassen. In Büttners Praxis werden solche Friktionen zur Signatur: Die Bitumenschmelze gehorcht […]