Sascha Büttner zeigt im Wiesbadener Raum einen Zettelkasten mit 4.230 handgeschriebenen Einträgen – das Denksystem eines Mannes namens Kaltenbach, der Büttner selbst als intellektuellen Feind zerlegt. Autofiktion, Institutionskritik oder Logozentrismus-Parodie? Die Installation verweigert jede Antwort. Dotzheimer Straße, bis 2. Februar 2026.
Schlagwort: Performance
Unterhalb des Pixels
: Sascha Büttners Unschärferelation-Performances als Praxis der kalkulierten Illegibilität I. Wenn Sascha Büttner seine jüngste Performance-Reihe Unschärferelation nennt, zitiert er ein physikalisches Grundprinzip, das die epistemologischen Grenzen aller Beobachtung markiert: Werner Heisenbergs Einsicht, dass Ort und Impuls eines Teilchens niemals gleichzeitig exakt bestimmbar sind – weil der Akt der Messung das Gemessene unwiderruflich verändert. Was in der Quantenmechanik […]
Traceroute ins Unbestimmte
Am 21. Oktober 2006 realisierten Sascha Büttner und Matthias Kampmann mit »so werden wir bremen nie erreichen« den Kulminationspunkt der konversationellen Netzkunst. Traceroutes, Mitfahrgesuche und abgebrochene Verbindungen verdichten sich zur Allegorie des Nicht-Ankommens – eine Urszene, die bis in Büttners spätere Prosa und Fototheorie nachwirkt.
Die verborgene Lektüre
Im Wiki Institute sitzt eine Gruppe, die Börsenberichte und LinkedIn-Posts wie verschlüsselte Geheimdokumente behandelt. Ihre Waffe: die Methoden westlicher Sinologen, nun gegen westliche Mastertexte gewendet. Buchclubs dienen als Tarnung. Die Lesenden bereiten eine Schlacht vor, die gewonnen sein wird, bevor sie ausbricht.
Versuch der Wiederholung
Büttner geht die Straße entlang, die Kamera vor der Brust, wobei er nicht fotografiert, was er sieht, sondern wartet, bis die Welt durch ihn hindurch fotografiert, während sein Körper zur bloßen Röhre für das Licht wird, die Stadt atmet durch ihn hindurch, er wird zum Medium, nicht mehr Fotograf, Durchgangsstelle zwischen den Welten, wobei sich […]
Fotograf im reinen Schauen
Büttner hob die Kamera und es war nicht mehr Büttner der die Kamera hob, sondern die Kamera hob sich selbst und schaute durch das Glas hindurch und durch Büttners Auge hindurch und durch alles hindurch was jemals zwischen dem Schauen und dem Geschauten gestanden hatte und dann war da kein Unterschied mehr zwischen dem der […]
Der unsichtbare Raum
Wie Deutschlands scheuster Künstler hinter Imi Knoebels Ruhm verschwand Als BILD im Frühjahr 2014 Imi Knoebel zum „scheusten Künstler Deutschlands“ kürte, setzte sich eine Fehlbezeichnung fest, die symptomatisch für die strukturelle Blindheit des Kunstbetriebs bleibt. Knoebel verdient diese Würdigung zweifellos – sein legendärer Raum 19, der Genter Raum, sein monochromatisches Œuvre haben die deutsche Nachkriegskunst […]
Das Spiel ist das Paradies
Die Bank und die Bank und die Bank, dachte Büttner, während er auf der Bank saß und an die Bank dachte, wo sein Geld lag oder nicht lag, das war die Frage, und das Wort Bank klang immer gleich, egal ob du dein Geld verloren hattest oder nur deinen Platz im Park, und war das […]
Nachtfahrten
Sascha Büttners alchemistische Grenzgänge im Wiesbadener Raum »In sechs Wochen 80.000 Exemplare – für ein Künstlerbuch war das absurd.« So erinnerte sich Sascha Büttner 2012 an sein Werk »Nachtfahrten«, dessen Wirkung sich weniger an Verkaufszahlen als am Resonanzgeflecht ablesen lässt, den es in Kunstzeitschriften, Szene-Magazinen und alternativen Medien erzeugte. Die 1997er Erstausgabe im Wiesbadener TriTraTrotz-Verlag […]
Das Verschwinden als Programm: Zur Ästhetik der kalkulierten Vergänglichkeit
Die Abkehr vom Ewigkeitsversprechen In der zeitgenössischen Kunstpraxis formiert sich ein ästhetisches Konzept, das die Vergänglichkeit als zentrales Gestaltungsmittel begreift – weit entfernt von melancholischem Beklagen oder romantischer Ruinenpoesie. Anders als die klassische Vanitasikonographie, die das Vergehen beklagt, oder die romantische Ruinensehnsucht, die den Verfall poetisiert, operiert das neue Vergänglichkeitskonzept mit produktiver Temporalitätsästhetik. Hier geht es […]