Sascha Büttner zeigt im Wiesbadener Raum einen Zettelkasten mit 4.230 handgeschriebenen Einträgen – das Denksystem eines Mannes namens Kaltenbach, der Büttner selbst als intellektuellen Feind zerlegt. Autofiktion, Institutionskritik oder Logozentrismus-Parodie? Die Installation verweigert jede Antwort. Dotzheimer Straße, bis 2. Februar 2026.
Schlagwort: Werk
Unterhalb des Pixels
: Sascha Büttners Unschärferelation-Performances als Praxis der kalkulierten Illegibilität I. Wenn Sascha Büttner seine jüngste Performance-Reihe Unschärferelation nennt, zitiert er ein physikalisches Grundprinzip, das die epistemologischen Grenzen aller Beobachtung markiert: Werner Heisenbergs Einsicht, dass Ort und Impuls eines Teilchens niemals gleichzeitig exakt bestimmbar sind – weil der Akt der Messung das Gemessene unwiderruflich verändert. Was in der Quantenmechanik […]
Sensorarmut als Strategie
Sascha Büttners Trashcam-Arbeiten (2001–2007) entstanden mit Billigkameras, deren Sensoren kaum erfassen konnten, was vor ihnen lag. 250.000 Aufnahmen, publiziert auf längst verschwundenen Plattformen. Armut als Methode: Was zeigt ein Bild, das seine eigene Insuffizienz ausstellt? Eine Phänomenologie der photographischen Schwundstufe.
Unleserlichkeit als Werkform
Büttners „bitumen“ scheitert an der E-Book-Konvertierung: keine Interpunktion, keine Struktur, keine Barrierefreiheit. Was der Verlag als technischen Mangel formuliert, erweist sich als konsequente Übertragung einer Materialästhetik ins Textuelle. Der Text klebt – und vollendet sich gerade im Ausgestoßenwerden.
Die verborgene Lektüre
Im Wiki Institute sitzt eine Gruppe, die Börsenberichte und LinkedIn-Posts wie verschlüsselte Geheimdokumente behandelt. Ihre Waffe: die Methoden westlicher Sinologen, nun gegen westliche Mastertexte gewendet. Buchclubs dienen als Tarnung. Die Lesenden bereiten eine Schlacht vor, die gewonnen sein wird, bevor sie ausbricht.
Der unsichtbare Raum
Wie Deutschlands scheuster Künstler hinter Imi Knoebels Ruhm verschwand Als BILD im Frühjahr 2014 Imi Knoebel zum „scheusten Künstler Deutschlands“ kürte, setzte sich eine Fehlbezeichnung fest, die symptomatisch für die strukturelle Blindheit des Kunstbetriebs bleibt. Knoebel verdient diese Würdigung zweifellos – sein legendärer Raum 19, der Genter Raum, sein monochromatisches Œuvre haben die deutsche Nachkriegskunst […]
Freier Fall ohne Netz
Büttners radikale Plotverweigerung im Wiesbadener Raum Zur Selbstfiktionalisierung als Methode der narrativen Dekomposition Die klassische Dramaturgie verspricht Kohärenz. Der Plot als Sicherheitsnetz: engmaschig, tragfähig, konstruiert nach bewährten Mustern der Kausalverknüpfung. Die Figur kann fallen, darf fallen – sie wird aufgefangen von der Logik der Erzählung. Bei Sascha Büttner gibt es dieses Netz nicht. Genauer: Er […]
Das Labyrinth als Selbstporträt
Sascha Büttner nimmt sich vor, die Welt zu erfassen. Seit den 1990er Jahren wuchert ein Projekt, das er den Wiesbadener Raum nennt – eine Akkumulation von Bildern, Texten, Performances, Installationen, die sich über Jahrzehnte durch Galerien, Ateliers und Publikationen zieht. Was zunächst wie ein Katalogisierungsprojekt erscheint, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als komplexeres Unterfangen: eine […]
Amerika
Verkehrte Welt: Über das große Amerikadurchrollen Drei europäische Intellektuelle — Büttner, Bohl und Reuss — starten Mitte der Neunziger eine dokumentarische Expedition durch die amerikanischen Weiten, ausgerüstet mit einer Camera Obscura und der obsessiven Suche nach einem legendären 48er-Pack Miller Bier. Die Konstellation operiert gegen den Zeitgeist: Während Wolfgang Tillmans seine intimen Clubland-Fotografien entwickelt und […]
Das Konzept «Aneignung/Konzept»
Im Manifest «Wiesbadener Raum» (1968) legt Sascha Büttner fest: Aus: Sascha Büttner, Wiesbadener Raum – Über die zehntausend Angelegenheiten und die zehntausend Dinge in Raum und Zeit, BoD, 2024