[f., Singular; von lat. gestus = Gebärde + Minimierung]
Bezeichnung für die kontrollierte Reduktion des individuellen Ausdrucks ohne dessen vollständige Elimination. Die Gestusminimierung operiert in jenem schmalen Korridor zwischen expressionistischer Aufladung und maschineller Neutralität, den bereits die Minimal Art zu kartografieren suchte. Anders als die totale Entpersönlichung industrieller Fertigung bewahrt sie Spuren der Hand – leichte Variationen der Strichstärke, minimale Unregelmäßigkeiten des Verlaufs –, ohne diese zur Signatur zu erheben. Der Begriff korrespondiert mit Büttners Bitumenarbeiten, deren überstehende, rauh und rissig ausgetrockneten Ränder Handschrift sichtbar lassen, obschon es ihm fernliegt, Malerei als Mittel individuell-expressiven Ausdrucks zu benutzen. Die Gestusminimierung etabliert eine Ökonomie des Persönlichen: gerade so viel Subjektivität, dass das Werk nicht mechanisch wirkt; gerade so wenig, dass es nicht zur Selbstdarstellung verkommt.