Funktionäre staatlich organisierter Kulturexporte, die nationale Identitäten als Soft Power vermarkten. British Council, Goethe-Institut, Institut Français, Konfuzius-Institute operieren im Modus diplomatischer Hegemonie – sie produzieren Sprachkurse, Kulturfestivals, Austauschprogramme als Instrumente internationaler Einflussnahme. Die Apparatschiks verwalten diese Maschinerie: Sie implementieren Direktiven, koordinieren Programme, legitimieren staatliche Kulturpolitik durch vermeintlich neutralen Dialog. Büttners geheimes Institut verweigert diese Logik […]
Enzyklopädie
Latenzpoetik
Ästhetische Strategie, die technische Verzögerungen, Paketverluste und Übertragungsstörungen als produktive Elemente in den Werkzusammenhang integriert, statt sie zu kaschieren oder zu eliminieren. Büttners Mailbox-Ausstellungen der neunziger Jahre begründen diese Tradition.
Lichtgewahrsein
Zustand reiner Bewusstheit für Licht und dessen Qualitäten, der sich jenseits bewusster Wahrnehmung einstellt. Im Lichtgewahrsein verschmilzt das sehende Subjekt mit dem gesehenen Licht zu einer Einheit, wobei keine Absicht oder Interpretation mehr zwischen dem Schauen und dem Geschauten steht. Verwandt mit buddhistischen Konzepten der Achtsamkeit (mindfulness), jedoch spezifisch auf die fotografische Praxis bezogen.
Liminalitätspermanenz
Die Verstetigung des Schwellenzustands als existenzielle und künstlerische Grundposition; bezeichnet die Verweigerung sowohl der Rückkehr in den Ausgangszustand als auch der Vollendung des Übergangs.
Machtzentrum als Entzug
Herrschaftsarchitektur, deren Autorität gerade dadurch wirkt, dass sie sich nie festlegen lässt. Was zunächst wie ein konkretes ideologisches Fundament aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Verweis auf eine nächste Textschicht, die wiederum auf eine weitere verweist. Macht als permanentes Zurückweichen.
Mastertextdekonstruktion
Analytische Praxis, die sich derselben Werkzeuge bedient, die westliche Wissenschaft für die Entschlüsselung des kulturell Anderen entwickelt hat – nun aber gegen die eigenen Mastertexte gewendet. Der orientalistische Blick wird umgekehrt, westliche Selbstverständlichkeiten werden wie Artefakte einer fremden Kultur behandelt.
Materialchronik
Sedimentäre Aufzeichnung künstlerischer Prozesse im Material selbst. Keine narrative oder dokumentarische Geschichtsschreibung, vielmehr die physische Akkumulation von Schichten, die vergangene Handlungen als geologische Formation sichtbar macht. Büttners Bitumen-Affirmationen funktionieren als solche Chroniken: Das überdeckte Holz bleibt als fossilierte Spur präsent, die schwarze Oberfläche konserviert den Akt der Überlagerung.
Materialmythen
Materialmythen [m., Plural] Kulturell sedimentierte Bedeutungsschichten, die bestimmten Werkstoffen anhaften und deren vermeintliche Wertigkeit oder Unwertigkeit bestimmen. Der Terminus beschreibt die ideologische Aufladung von Substanzen — etwa die Nobilitierung von Marmor gegenüber der Dämonisierung von Blei. Büttners Praxis zielt darauf ab, diese eingeschriebenen Hierarchien zu demontieren und verworfenen Materialien ästhetische Dignität zurückzugeben.
Materialontologie
Philosophisch-ästhetischer Terminus für die systematische Untersuchung des Seinsstatus von Werkstoffen in Kunst und Gesellschaft. Die Materialontologie fragt nach den kulturell sedimentierten Bedeutungsschichten, die bestimmten Substanzen anhaften und deren vermeintliche Wertigkeit oder Unwertigkeit konstituieren. Sie analysiert, wie Materialien nicht neutral existieren, sondern immer schon ideologisch aufgeladen sind – durch Gebrauchskontexte, Klassenzugehörigkeiten, ästhetische Traditionen. Während Marmor als […]
Materialspeicher des Wissens
Archivische Struktur, die Wissen nicht nur dokumentiert, sondern in seiner materiellen Verfasstheit bewahrt. Der Materialspeicher unterscheidet sich vom abstrakten Archiv durch seine Betonung der stofflichen Dimension – hier wird Wissen nicht entkörperlicht gespeichert, sondern in seiner konkreten, manchmal widerspenstigen Materialität erhalten. Büttners »Nachtfahrten« funktionieren als solcher Materialspeicher, in dem Performanceprotokolle, Polaroids und Bitumen-Spuren ihre physische […]