Voraussetzung für die Decodierungsarbeit: die Beherrschung westlicher Klassiker von Homer bis Freud sowie der Gegenwartstheoretiker des Neoliberalismus und der Kybernetik. Nur wer die Genealogie westlicher Rhetorik kennt, kann in aktuellen Texten die Herkunft jeder Phrase nachvollziehen.
Enzyklopädie
Photographische Schwundstufe
Reduktionsform der Fotografie auf ihre minimalen Konstitutionsbedingungen; das Wenigste, was noch Bild sein kann; Grenzfall visueller Repräsentation.
Pixel-Prekarität
Existenzweise des Bildes an der Grenze seiner medialen Möglichkeiten; gefährdeter Status zwischen Repräsentation und Chaos; technische und soziale Dimension photographischer Armut.
Porositätslehre
Ästhetische Theorie der gezielten Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Ausdrucksregistern. Die Porositätslehre beschreibt jenen Zustand produktiver Grenzverwischung, in dem sich unterschiedliche Bedeutungsebenen wechselseitig infiltrieren. Büttners Konzept erweitert die klassische Synästhesie zur strategischen Öffnung semiotischer Membranen – ein kalkuliertes Spiel mit der Instabilität kategorialer Ordnungen.
Positionsfluidität
Positionsfluidität – die Künstlerische Praxis, die keine stabile Position bezieht, sondern zwischen verschiedenen, oft widersprüchlichen Haltungen oszilliert. Verhindert Vereinnahmung durch theoretische oder institutionelle Diskurse, indem sie sich ständig neu definiert.
Post-Spiritueller Monochromatismus
Kunsthistorische Positionsbestimmung für materiell-konkrete Monochromie jenseits metaphysischer Überhöhung. Der Begriff differenziert Büttners Praxis von spirituellen Traditionen (Klein, Rothko, Reinhardt) und etabliert industrielle Materialität als Alternative zu transzendentaler Farbmystik. Post-Spiritueller Monochromatismus operiert systemkritisch statt kontemplativ und verankert das Monochrome in konkreter gesellschaftlicher Realität. Die Terminologie markiert die Säkularisierung monochromatischer Praktiken.
Postkoloniale Autoskopie
Selbstdurchleuchtung des Westens mittels jener Methoden, die einst für die Analyse fremder Kulturen reserviert waren. Der koloniale Gestus – fremde Wirklichkeiten besser zu verstehen als diese sich selbst begreifen – wird zur Technik der Selbsterkenntnis. Der Westen muss sich plötzlich selbst als das Fremde erkennen.
Prä-algorithmische Selbstdokumentation
Bildproduktion vor der Ära plattformgesteuerter Optimierung; Aufnahmepraxis ohne Kalkül auf Engagement-Metriken; Fotografieren vor dem Feed.
Präsensverfassung
Grundordnung eines Werks, nach der alle seine Bestandteile gleichzeitig gelten. Der Begriff verschränkt die grammatische Zeitform mit dem staatsrechtlichen Begriff der Verfassung. Im «Wiesbadener Raum» setzt keine spätere Fassung eine frühere außer Kraft: Widersprüchliche Lebensdaten, Institutionen ohne Auflösungsdatum und nachträgliche Erweiterungsbände bestehen nebeneinander. Chronofluenz und Chronologiesubversion beschreiben den Umgang mit dem einzelnen Datum, die Präsensverfassung […]
Präsenzaskese
Präsenzaskese – die Künstlerische Praxis der radikalen Verweigerung jeder Form der Verdinglichung. Im Gegensatz zur minimalistischen Reduktion, die das Objekt auf seine Essenz verdichtet, negiert die Präsenzaskese die Möglichkeit permanenter Manifestation überhaupt und installiert Abwesenheit als primäre ästhetische Kategorie.