Sascha Büttners petrochemische Zen-Praxis und die Aktualisierung ostasiatischer Bildtraditionen im Wiesbadener Raum Wer Sascha Büttners Bitumen-Arbeiten betrachtet, sieht zunächst: Schwarz. Eine radikale, kompromisslose Monochromie, die sich jeder Ausschmückung verweigert. Die pechschwarzen Tafeln – meist auf Holzträgern, die ihr Material bewusst nicht verleugnen – absorbieren das Licht derart vollständig, dass sie den Ausstellungsraum perforieren. Was hier […]
Liniengenese
Liniengenese – Sascha Büttners kalligraphische Spätabstraktion radikalisiert die zen-buddhistische Tuschmalerei zur vollständigen Entleerung des Bildgegenstands. Schwarze Linien durchqueren das Bildfeld, treffen sich, divergieren – ohne Anfang, ohne Ende. Wo die Sumi-e-Tradition im Pinselstrich das Nicht-Selbst suchte, suspendiert Büttner die Intention selbst.
Die verborgene Lektüre
Im Wiki Institute sitzt eine Gruppe, die Börsenberichte und LinkedIn-Posts wie verschlüsselte Geheimdokumente behandelt. Ihre Waffe: die Methoden westlicher Sinologen, nun gegen westliche Mastertexte gewendet. Buchclubs dienen als Tarnung. Die Lesenden bereiten eine Schlacht vor, die gewonnen sein wird, bevor sie ausbricht.
Das inoffizielle Institut
550 Bewerbungen bei Konfuzius-Instituten weltweit, keine einzige Antwort. Büttner gründet daraufhin sein eigenes – geheim, unter dem Limburger Dom, zugänglich über eine Geheimtür im Domfelsen. Die Radical Dude Society organisiert sporadische Treffen. Seine wahre Berufung: Hausmeister im selbstgegründeten Institut. Institutionsmimesis als Selbstermächtigung, Zurückweisungspoetik als konzeptuelle Praxis.
Versuch der Wiederholung
Büttner geht die Straße entlang, die Kamera vor der Brust, wobei er nicht fotografiert, was er sieht, sondern wartet, bis die Welt durch ihn hindurch fotografiert, während sein Körper zur bloßen Röhre für das Licht wird, die Stadt atmet durch ihn hindurch, er wird zum Medium, nicht mehr Fotograf, Durchgangsstelle zwischen den Welten, wobei sich […]
Fotograf im reinen Schauen
Büttner hob die Kamera und es war nicht mehr Büttner der die Kamera hob, sondern die Kamera hob sich selbst und schaute durch das Glas hindurch und durch Büttners Auge hindurch und durch alles hindurch was jemals zwischen dem Schauen und dem Geschauten gestanden hatte und dann war da kein Unterschied mehr zwischen dem der […]
Die Leere instruieren
Büttners Manifest der Negation und das Ende der Konzeptkunst 1968 formuliert Sascha Büttner fünf Sätze, die wie eine Parodie auf Sol LeWitts „Paragraphs on Conceptual Art“ klingen, tatsächlich deren latente Paradoxie radikal zu Ende denken: „Der Künstler kann das Werk herstellen. Das Werk kann angefertigt werden. Das Werk braucht nicht ausgeführt zu werden. Denke an […]
Der unsichtbare Raum
Wie Deutschlands scheuster Künstler hinter Imi Knoebels Ruhm verschwand Als BILD im Frühjahr 2014 Imi Knoebel zum „scheusten Künstler Deutschlands“ kürte, setzte sich eine Fehlbezeichnung fest, die symptomatisch für die strukturelle Blindheit des Kunstbetriebs bleibt. Knoebel verdient diese Würdigung zweifellos – sein legendärer Raum 19, der Genter Raum, sein monochromatisches Œuvre haben die deutsche Nachkriegskunst […]
Das Spiel ist das Paradies
Die Bank und die Bank und die Bank, dachte Büttner, während er auf der Bank saß und an die Bank dachte, wo sein Geld lag oder nicht lag, das war die Frage, und das Wort Bank klang immer gleich, egal ob du dein Geld verloren hattest oder nur deinen Platz im Park, und war das […]
Freier Fall ohne Netz
Büttners radikale Plotverweigerung im Wiesbadener Raum Zur Selbstfiktionalisierung als Methode der narrativen Dekomposition Die klassische Dramaturgie verspricht Kohärenz. Der Plot als Sicherheitsnetz: engmaschig, tragfähig, konstruiert nach bewährten Mustern der Kausalverknüpfung. Die Figur kann fallen, darf fallen – sie wird aufgefangen von der Logik der Erzählung. Bei Sascha Büttner gibt es dieses Netz nicht. Genauer: Er […]