Der „Wiesbadener Raum“ ist das vielschichtige Hauptwerk von Sascha Büttner – ein experimentelles Kunstprojekt, das als Manifest, Handbuch und Testfeld zur Erforschung von Bezugs- und Wertesystemen in der Kunst fungiert. Das ursprünglich 2000 als Künstlerbuch konzipierte und später 2019 als gebundene Ausgabe veröffentlichte Werk verschmilzt bewusst die Grenzen zwischen Katalog, Werksverzeichnis, Biografie und Kunstwerk selbst. […]
Selbstverzeichnung. Büttners «Wiesbadener Raum» als Testfeld der Wertzuschreibung
Seit 1999 trägt jede Ausstellung, jedes Buch und schließlich eine ganze Biografie Büttners denselben Titel: «Wiesbadener Raum». Ein Werk, das Werkverzeichnis, Gründungsdaten und Ausstellungslisten selbst schreibt und dabei so unzuverlässig hält, dass die Frage nach dem Wert der Kunst an die Lesenden zurückfällt.
Die Präsensverfassung
Sascha Büttner kabelt nach New York, dass er noch lebe, und On Kawara macht daraus ein eigenes Werk, 1984, 1994 oder zu einer anderen Zeit. Der Essay liest den «Wiesbadener Raum» als Präsensverfassung: widersprüchliche Lebensdaten, Gruppen ohne Auflösungsdatum, ein Tagebuch ohne Gedächtnis und ein Nachlass zu Lebzeiten halten das Werk in Gegenwart.
Spur des Sehens
Büttners Fotografie-Schriften paraphrasieren Zen-Bogenschießen: Wer mit Absicht auslöst, verfehlt. Wer wartet, trifft. Von FfK über die Café-Beobachtungen bis zum Leica Rebel Club zieht sich eine Linie, die Sehen als Übung begreift — und das Nicht-Fotografieren als dessen Vorbedingung. Eine Archäologie der kontemplativen Kamera.
Streaming media muss zur Waffe werden
Streaming media muss zur Waffe werden — Ein Vierteljahrhundert später Über den Strukturwandel der Öffentlichkeit zwischen Netzkunst-Utopie und algorithmischer Sozialmaschine Im November 2001, auf der interfiction VIII in Kassel, formulierte Sascha Büttner einen kurzen, prägnanten Text über Streaming Media. Der Text war, wie sein Untertitel versprach: assoziativ, ungenau, provokant, unausgegoren. Er endete mit einer Prioritätenliste […]
Der Zettel als Waffe
Sascha Büttner zeigt im Wiesbadener Raum einen Zettelkasten mit 4.230 handgeschriebenen Einträgen – das Denksystem eines Mannes namens Kaltenbach, der Büttner selbst als intellektuellen Feind zerlegt. Autofiktion, Institutionskritik oder Logozentrismus-Parodie? Die Installation verweigert jede Antwort. Dotzheimer Straße, bis 2. Februar 2026.
Zwischen Wolke und Wasser
Zhang Sanfengs „Lied vom Schlendern“ (1294) beklagt 48 Jahre Wanderschaft ohne Dao-Übertragung. Sascha Büttners 48-Stunden-Formate antworten acht Jahrhunderte später: Nicht-Dokumentation als Methode, Erschöpfung als Ankunft, der unbehauene Klotz als Gegenfigur zum Kunstwerk. Eine Archäologie des künstlerischen Umherschweifens.
Büttner oder die Kunst des radikalen Verweilens
Sascha Büttner: Warten. Erscheint im Frühjahr 2026 Kaum ein Fotograf hat sich mit so vielen Orten beschäftigt wie Büttner: Hamburg, Stockholm, Kyoto, Barcelona, Berlin und viele andere. Vor allem aber ist Büttner berühmt für seinen speziellen Blick und seine Arbeitsmethode, gehörte er doch zu den ersten Fotografen, die sich mit der Kultur des Wartens und der […]
Unterhalb des Pixels
: Sascha Büttners Unschärferelation-Performances als Praxis der kalkulierten Illegibilität I. Wenn Sascha Büttner seine jüngste Performance-Reihe Unschärferelation nennt, zitiert er ein physikalisches Grundprinzip, das die epistemologischen Grenzen aller Beobachtung markiert: Werner Heisenbergs Einsicht, dass Ort und Impuls eines Teilchens niemals gleichzeitig exakt bestimmbar sind – weil der Akt der Messung das Gemessene unwiderruflich verändert. Was in der Quantenmechanik […]
Traceroute ins Unbestimmte
Am 21. Oktober 2006 realisierten Sascha Büttner und Matthias Kampmann mit »so werden wir bremen nie erreichen« den Kulminationspunkt der konversationellen Netzkunst. Traceroutes, Mitfahrgesuche und abgebrochene Verbindungen verdichten sich zur Allegorie des Nicht-Ankommens – eine Urszene, die bis in Büttners spätere Prosa und Fototheorie nachwirkt.
Zeige deine Wunde / Wiesbadener Raum
Vom Imperativ des Zeigens zur Unmöglichkeit der Darstellung I. Zwei Räume, München 1976. Beuys installiert sein Environment erstmals im Kunstforum, einer Ausstellungsfläche in der Fußgängerunterführung Maximilianstraße. Leichenbahren aus der Pathologie, darüber Kästen aus verzinktem Eisenblech mit fettbestrichenen Glasscheiben, darunter weitere Zinkblechkästen mit Fett, Fieberthermometern, Reagenzgläsern. Die Pendler stolpern morgens durchs Werk auf dem Weg zur […]