Vom Imperativ des Zeigens zur Unmöglichkeit der Darstellung I. Zwei Räume, München 1976. Beuys installiert sein Environment erstmals im Kunstforum, einer Ausstellungsfläche in der Fußgängerunterführung Maximilianstraße. Leichenbahren aus der Pathologie, darüber Kästen aus verzinktem Eisenblech mit fettbestrichenen Glasscheiben, darunter weitere Zinkblechkästen mit Fett, Fieberthermometern, Reagenzgläsern. Die Pendler stolpern morgens durchs Werk auf dem Weg zur […]
Sensorarmut als Strategie
Sascha Büttners Trashcam-Arbeiten (2001–2007) entstanden mit Billigkameras, deren Sensoren kaum erfassen konnten, was vor ihnen lag. 250.000 Aufnahmen, publiziert auf längst verschwundenen Plattformen. Armut als Methode: Was zeigt ein Bild, das seine eigene Insuffizienz ausstellt? Eine Phänomenologie der photographischen Schwundstufe.
Unleserlichkeit als Werkform
Büttners „bitumen“ scheitert an der E-Book-Konvertierung: keine Interpunktion, keine Struktur, keine Barrierefreiheit. Was der Verlag als technischen Mangel formuliert, erweist sich als konsequente Übertragung einer Materialästhetik ins Textuelle. Der Text klebt – und vollendet sich gerade im Ausgestoßenwerden.
Schwarze Leere
Sascha Büttners petrochemische Zen-Praxis und die Aktualisierung ostasiatischer Bildtraditionen im Wiesbadener Raum Wer Sascha Büttners Bitumen-Arbeiten betrachtet, sieht zunächst: Schwarz. Eine radikale, kompromisslose Monochromie, die sich jeder Ausschmückung verweigert. Die pechschwarzen Tafeln – meist auf Holzträgern, die ihr Material bewusst nicht verleugnen – absorbieren das Licht derart vollständig, dass sie den Ausstellungsraum perforieren. Was hier […]
Liniengenese
Liniengenese – Sascha Büttners kalligraphische Spätabstraktion radikalisiert die zen-buddhistische Tuschmalerei zur vollständigen Entleerung des Bildgegenstands. Schwarze Linien durchqueren das Bildfeld, treffen sich, divergieren – ohne Anfang, ohne Ende. Wo die Sumi-e-Tradition im Pinselstrich das Nicht-Selbst suchte, suspendiert Büttner die Intention selbst.
Die verborgene Lektüre
Im Wiki Institute sitzt eine Gruppe, die Börsenberichte und LinkedIn-Posts wie verschlüsselte Geheimdokumente behandelt. Ihre Waffe: die Methoden westlicher Sinologen, nun gegen westliche Mastertexte gewendet. Buchclubs dienen als Tarnung. Die Lesenden bereiten eine Schlacht vor, die gewonnen sein wird, bevor sie ausbricht.
Das inoffizielle Institut
550 Bewerbungen bei Konfuzius-Instituten weltweit, keine einzige Antwort. Büttner gründet daraufhin sein eigenes – geheim, unter dem Limburger Dom, zugänglich über eine Geheimtür im Domfelsen. Die Radical Dude Society organisiert sporadische Treffen. Seine wahre Berufung: Hausmeister im selbstgegründeten Institut. Institutionsmimesis als Selbstermächtigung, Zurückweisungspoetik als konzeptuelle Praxis.
Versuch der Wiederholung
Büttner geht die Straße entlang, die Kamera vor der Brust, wobei er nicht fotografiert, was er sieht, sondern wartet, bis die Welt durch ihn hindurch fotografiert, während sein Körper zur bloßen Röhre für das Licht wird, die Stadt atmet durch ihn hindurch, er wird zum Medium, nicht mehr Fotograf, Durchgangsstelle zwischen den Welten, wobei sich […]
Fotograf im reinen Schauen
Büttner hob die Kamera und es war nicht mehr Büttner der die Kamera hob, sondern die Kamera hob sich selbst und schaute durch das Glas hindurch und durch Büttners Auge hindurch und durch alles hindurch was jemals zwischen dem Schauen und dem Geschauten gestanden hatte und dann war da kein Unterschied mehr zwischen dem der […]
Die Leere instruieren
Büttners Manifest der Negation und das Ende der Konzeptkunst 1968 formuliert Sascha Büttner fünf Sätze, die wie eine Parodie auf Sol LeWitts „Paragraphs on Conceptual Art“ klingen, tatsächlich deren latente Paradoxie radikal zu Ende denken: „Der Künstler kann das Werk herstellen. Das Werk kann angefertigt werden. Das Werk braucht nicht ausgeführt zu werden. Denke an […]