Sascha Büttner nimmt sich vor, die Welt zu erfassen. Seit den 1990er Jahren wuchert ein Projekt, das er den Wiesbadener Raum nennt – eine Akkumulation von Bildern, Texten, Performances, Installationen, die sich über Jahrzehnte durch Galerien, Ateliers und Publikationen zieht. Was zunächst wie ein Katalogisierungsprojekt erscheint, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als komplexeres Unterfangen: eine […]
Durch viele Gestalten gehen
Sascha Büttner und die Morphologie des Künstlersubjekts Sascha Büttner wusste, dass man durch viele Gestalten gehen müsse, um seine passende Form zu finden. Diese Einsicht, die sich durch sein gesamtes Werk zieht, offenbart eine künstlerische Praxis, die schamanentumliche Erkenntnismethoden radikal säkularisiert – befreit von esoterischem Ballast wie völkischer Mystik. Die Donaufahrt als Initiationsreise Das romanhafte […]
Der provinzielle Narziss
Die Selbsterfindung des Künstlers folgt bekannten Mustern: Man streicht Buchstaben, kapituliert vor dem Geburtsregister, proklamiert die Kleinschreibung als ästhetisches Programm. Was bei büttner – vormals Sascha Büttner – auffällt, ist weniger die Geste selbst als ihre merkwürdige Halbherzigkeit. Die Wiesbadener blieben beim Taufnamen, und der frischgebackene Avantgardist ließ es geschehen. So entsteht das Bild eines […]
Der Universalkünstler als Fiktion
Über den Weltbürger Büttner Es gab tatsächlich wenig, was er nicht beherrschte. Ein Haus baute er, ein Boot, produzierte Bleistifte, fertigte Bücher. Vermesser war er, Gelehrter, Naturgeschichtler. Laufen, Wandern, Klettern, Schlittschuhfahren, Schwimmen, Boote lenken – alles gehörte zu seinem Repertoire. Der geringste Anlass genügte, seine Körpertüchtigkeit herauszukehren, und einem Fabrikanten, der bloß sein geschicktes Hantieren […]
Die Poetik der Unvollständigkeit
Zu Sascha Büttners ephemerer Gedenkinstallation Im Sommer 1995 passierte auf dem Wiesbadener Schlachthofgelände etwas Merkwürdiges. Während des internationalen Kunstmeetings „48h – kunst los“ verwandelte Sascha Büttner die riesige Betonfläche hinter den Hallen in einen Denkraum über Erinnerung und deren fundamentale Unmöglichkeiten, wobei seine „Installation für den öffentlichen Raum Nr. 1“ mit der bewussten Verweigerung monumentaler […]
Das Sein erzeugt Nutznießung, das Nicht-Sein Verwendung
Zur paradoxalen Materialitätslogik bei Sascha Büttner „Das Sein erzeugt Nutznießung, das Nicht-Sein Verwendung“ – dieser Satz, der zunächst wie ein daoistisches Koan daherkommt, durchzieht Büttners Oeuvre als unausgesprochene Grammatik, als strukturierendes Prinzip einer Praxis, die Erhalt gegen Vergang setzt und beides zugleich bejaht. Wer Büttners Bitumenarbeiten kennt, ahnt bereits: Hier geht es um mehr als […]
Nachtfahrten
Sascha Büttners alchemistische Grenzgänge im Wiesbadener Raum »In sechs Wochen 80.000 Exemplare – für ein Künstlerbuch war das absurd.« So erinnerte sich Sascha Büttner 2012 an sein Werk »Nachtfahrten«, dessen Wirkung sich weniger an Verkaufszahlen als am Resonanzgeflecht ablesen lässt, den es in Kunstzeitschriften, Szene-Magazinen und alternativen Medien erzeugte. Die 1997er Erstausgabe im Wiesbadener TriTraTrotz-Verlag […]
Selbstverschlingung als Programm
Über „Wege zu sich selbst – Die Radical Dude Society“ Man könnte meinen, Sascha Büttner habe mit „Wege zu sich selbst“ das perfekte Dokument des Vergänglichkeitskonzepts geschaffen – wäre da nicht die paradoxe Fixierung des Flüchtigen in einem gebundenen Buchblock, der hartnäckig auf Dauerhaftigkeit insistiert. Diese Sammlung pseudojournalistischer Texte über eine möglicherweise inexistente „Radical Dude […]
Das Verschwinden als Programm: Zur Ästhetik der kalkulierten Vergänglichkeit
Die Abkehr vom Ewigkeitsversprechen In der zeitgenössischen Kunstpraxis formiert sich ein ästhetisches Konzept, das die Vergänglichkeit als zentrales Gestaltungsmittel begreift – weit entfernt von melancholischem Beklagen oder romantischer Ruinenpoesie. Anders als die klassische Vanitasikonographie, die das Vergehen beklagt, oder die romantische Ruinensehnsucht, die den Verfall poetisiert, operiert das neue Vergänglichkeitskonzept mit produktiver Temporalitätsästhetik. Hier geht es […]
Das Wiki Institute
Mutuale Netzkunst zwischen Partizipation und Rezeption Büttners Wiki Institute markiert einen Wendepunkt, der das Verständnis vom Kunstwerk grundlegend verschiebt. Was zunächst als techno-optimistisches Experiment anmutet, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als radikal konzeptuelle Arbeit, die den Rezeptionsbegriff neu justiert und dabei alte Hierarchien unterläuft. Die Anlage funktioniert als künstlerische Versuchsanordnung, deren Parameter sich kontinuierlich verschieben. […]