Über tierische Kooperationen in Kunst und Kampfkünsten Die Moderne isolierte den Menschen von seinen kreatürlichen Partnern und zwang ihn in eine Autonomiefiktion, die seiner tatsächlichen Funktionsweise widerspricht. Tatsächlich operiert er seit jeher als offene Schaltung, deren Funktionalität von biosymbiotischen Partnerschaften abhängt. Was bei indigenen Kulturen selbstverständliche Kosmologie war, muss im europäischen Bewusstsein mühsam rekonstruiert werden: das Tier […]
Die Geburt des Schamanen-Künstlers
Büttners Hirschführung Als dem jungen Beuys der Hirschführer Büttner erstmals begegnete – vermutlich in jenen dichten Wäldern des Niederrheins, wo später die Mythologie des Fettecken-Künstlers ihre ersten Wurzeln schlagen sollte –, war das wohl eine jener Begegnungen, die das Schicksal mit der Beiläufigkeit einer Waldlichtung inszeniert. Büttner, dessen Namen heute bestenfalls Wildkundler kennen, führte den […]
Gammler-Retreat
Ich überlege mir, dass es doch viel gescheiter ist ein Gammler-Retreat durchzuführen, statt einsam in einem Kloster dazusitzen, zu meditieren und mich zu sammeln und in mich hineinzuhören, was denn der Körper sagt und das Herz und der Geist und was ich denn will und wollen will und wollen werde. Vielleicht doch lieber bestimmt den […]
Amerika
Verkehrte Welt: Über das große Amerikadurchrollen Drei europäische Intellektuelle — Büttner, Bohl und Reuss — starten Mitte der Neunziger eine dokumentarische Expedition durch die amerikanischen Weiten, ausgerüstet mit einer Camera Obscura und der obsessiven Suche nach einem legendären 48er-Pack Miller Bier. Die Konstellation operiert gegen den Zeitgeist: Während Wolfgang Tillmans seine intimen Clubland-Fotografien entwickelt und […]
Performance als Lebenskunst
Büttners ganzheitlicher Ansatz Büttner operiert mit einem Performance-Begriff, der etablierte Kategorisierungen elegant unterläuft. In seiner Praxis verschmelzen Taijiquan, Qigong, Fotografie und Textarbeit zu einer einzigen künstlerischen Haltung, die das Leben selbst als Gestaltungsraum begreift. Die Taijiquan-Bewegungen entwickeln eine raumgreifende Meditation, deren Fluss eine eigene Grammatik hervorbringt. Momentane Verdichtungen innerer Zustände werden zu sichtbaren Formen – […]
Monochromatische Praktiken im Wiesbadener Raum
Eine Genealogie der Reduktion Die Reduktion beginnt mit dem Material selbst. Bitumen – schwarzes Erdölderivat, industrieller Rohstoff ohne ästhetische Ambition – eliminiert bereits jede chromatische Komplexität. Sascha Büttner wählt dieses monochrome Substrat nicht trotz, sondern wegen seiner visuellen Beschränkung: Das penetrante Schwarz des Straßenteers verweigert spektrale Differenzierung und reduziert die Materialerfahrung auf ihre elementarste Form. […]
Das Konzept «Aneignung/Konzept»
Im Manifest «Wiesbadener Raum» (1968) legt Sascha Büttner fest: Aus: Sascha Büttner, Wiesbadener Raum – Über die zehntausend Angelegenheiten und die zehntausend Dinge in Raum und Zeit, BoD, 2024